Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen
 

Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 211

lcdigung seinem Sohne Heinrich, dem er schon in den ersten Jahrenseiner Negierung die Nachfolge hatte zusichern lassen. In Italien droh-ten die Bischöfe, durch deren Erhebung die früheren Kaiser die welt-lichen Großen beschränkt hatten, zu Landesherren zu werden. VorAllein wurde Heribert gefährlich. Da sich hier in den freien Bewohnernder Städte, die sich nicht in den Kreis bischöflicher Dienstmannschaftwollten ziehen lassen, ein Widerstand regte, benutzte Konrad dieses Ver-hältnis', um die neu sich bildende Zwischenmacht der Bischöfe zu schwä-chen. Eine städtische Verbindung, die sich in Mailand unter dem Namender Motta gegen Heribert gebildet hatte, begünstigte er gegen den Mann,durch den er jüngst die Herrschaft über das nördliche Italien behauptethatte, und um die Verhältnisse in seinem Sinne zu regeln, erließ er beiseinem zweiten Aufenthalt in Italien im Jahre 1037 eine Bestimmung,welche die kleinen Dicnstmannen in Bezug ans ihre Lehen der Willkührihrer Lehensherren entzog und die Erblichkeit dieser Lehen einführte,während sie sich in Deutschland ohne ausdrückliches Gesetz auf demWege der Gewohnheit ausbildete. Dadurch wurde die Entwickelungder städtischen Gemeinwesen befördert, indem die kleinen Dienstmannenimmer mehr in die Kreise der freien Bewohner der Städte aufgingen.Die den Kaisern obliegende Sorge für die Wohlfahrt der Kirche tratbei Konrads vorherrschender Rücksicht auf Steigerung der Hcrrscher-gewalt in den Hintergrund. Ja die Berechnung, mit welcher er aufdiesen seinen Hauptzweck alle seine Handlungen bezog, führte ihn zueiner dem Geiste der Kirche widerstreitenden Verfahrungswcise, indemer geistliche Aemtcr für Geldsummen, die er sich zahlen ließ, verlieh undso der für die Kirche überaus verderblichen Simonie den Weg öffnete.Wenn demnach die deutschen Bisthümer auch unter ihm meistens wür-dige Hirten hatten, so rührte es von dem günstigen Zustande her, inwelchem sich die Kirche in Deutschland im Vergleich mit Frankreich undItalien befand. Die Simonie aber, welcher viele Bischöfe ihre Stellenverdankten, wurde von ihnen oft wieder bei Ertheilung der Weihen andie Geistlichkeit geübt. Vermehrung der Einkünfte und des Besitzesward, wie der Kaiser darin mit dem Beispiele voranging, bei ihnen einherrschender Zug. In Italien, wo sie seit der Unterdrückung der welt-lichen Großen die eigentliche Mittelmacht bildeten, hatte schon die Noth-wendigkeit, sich diese Stellung zu erwerben und zu behaupten, und eineSicherheit des Bestehens, die selbst für ihre kirchliche Unabhängigkeit nöthigschien, zu gewinnen, sie ganz in weltliche Angelegenheiten verstrickt.Eine Heilung des Schadens von Seiten des päpstlichen Stuhles wurdedadurch erschwert, daß die Bischöfe im Besitze ihrer Macht sich, wennsie ««kirchlichen Sinnes waren, auch der kirchlichen Unterordnung unterden Papst oft entzogen. Dieses in Italien eingerissene und in Deutsch-

14"