Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts- 207

Otto III- eine festere Ordnung, indem er dem heiligen Stuhle den erstendeutschen Papst in der Person Bruno's, eines Enkels von Konrad undLiutgarde, gab, der sich Gregor V. nannte. Crcscentius, das Hauptder Partei, welche die Zeiten Marozia's und der Theodoren fortsetzenwollte, stellte zwar in Johann XVI. einen Gegenpapst auf, ward aberim Jahre 998, nachdem er die Engelöburg an Otto hatte übergebenmüssen, hingerichtet. Gregor und sein Nachfolger, der gelehrte Gerbert,der als Papst Sylvester II. hieß, brachten beim Schlüsse des einen undbeim Beginn des andern Jahrhunderts der Kirche eine wahrhaft kirch-liche Regierung um dieselbe Zeit, wo die Strahlen der Wahrheit ent-fernte Länder zu beleuchten anfingen und so das kirchliche Gebiet einegroße Erweiterung erhielt. Unter den Stürmen, welche den päpstlichenStuhl umtobt hatten, war auch die weltliche Negierung, die von dem-selben über die Gebiete des Kirchenstaates zu führen war, in Verfallgerathen, und vermöge des schon bei der Gründung des christlichenKaiserthums begründeten Verhältnisses mußte die weltliche Gewalt indiesen Gebieten an die Kaiser übergehen, so daß das Recht des Papstesals weltlichen Regenten jetzt ruhte. Gleich wohlthätig wirkte auch inDeutschland ein entscheidendes, der Form nach oft willkührliches Ver-fahren der Kaiser in Angelegenheiten der deutschen Bisthümer. Hein-rich II-, seiner Frömmigkeit wegen von der Kirche in die Zahl der Heili-gen ausgenommen, suchte die Frömmigkeit und Weisheit, deren Trägerder Klerus war, in die Negierung des Reiches und seiner einzelnenTheile hinüberzuleiten, und gebrauchte eine durchgreifende Strenge, umdie bischöflichen Stühle von unwürdigen Inhabern zu befreien und mitwürdigen zu besetzen. Es bestand daher zwischen ihm und der höchstenkirchlichen Regierung ein freundliches Einverständnis Dies zeigte sichin der Genehmigung Johanns XVIII. für die Gründung des BisthumsBamberg, das den östlichsten Theil des Würzburger Sprengels umfaßte,zur Vertilgung des in den Nednitzgegenden noch vorhandenen slavischenHeidenthums diente und in einem seiner ersten Bischöfe, Otto, dem LandePommern einen Apostel lieferte. Es zeigte sich auch darin, daß Bene-dict VIII. die dort erbaute prächtige Kirche, wo nachher der Kaiser undseine Gattin, die heilige Kunigunde, ihre Ruhestätte fanden, selbst einzu-weihen kam. Unter Heinrich II. näherte sich auch das Verhältniß zudem burgundischen Reiche, welches seit der Vereinigung von Niederbur-gund und Hochburgund das arelatische Reich genannt wurde, seiner Ent-scheidung. Hier war auf Rudolf II. sein Sohn Konrad, und auf diesensein Sohn Rudolf III. gefolgt. Heinrich II. war Rudolfs Neffe, daseine Mutter Gisela eine Tochter Konrads gewesen war. Die Ohn-macht, in welcher der König von Burgund sich seinen Vasallen gegen-über befand, nöthigte ihn, bei dem Kaiser Schutz zu suchen, und er sicherte