206 Das deuischc Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
des neuen Lebens zog. Von dort aus begannen aber viele das alteWanderleben von Neuem, indem solche, die zu Hause kein Erbe hatten,draußen Besitz zu erwerben gedachten. So kamen, während Heinrich II.in den letzten Jahren seines Lebens den Kampf mit den Oströmern er-neuerte, normannische Wanderer, die durch das Vorhaben einer Wall-fahrt nach Jerusalem an die Küste Apuliens gekommen waren, nach Apulien,nahmen in angecrbter Kampflust Solddienste bei einem dortigen Herrn, dersich der Oströmer zu erwehren suchte, und erhielten von Heinrich, der sie zufernerem Kampfe brauchen zu können glaubte, eine Landanweisung. Dadie vielen kleinen Fehden in dem zwischen Oftrömern, Saracenen, longo-bardischen Fürsten zersplitterten Lande auch in der Folge ihnen reichlicheBeschäftigung gewährten, folgten ihnen mehr und mehr Landsleute, undso erwuchs hier in kurzer Zeit eine Macht, die der oströmischen, sarace-nischen und longobardischen Herrschaft in Italien gleichmäßig ein Endemachte. Die Verhältnisse zu dem mittleren Italien, wo der Papst auchfür die politischen Verhältnisse die Hauptperson war, gestalteten sich nachMaßgabe der Art, wie das kaiserliche Amt gehandhabt wurde. InBezug auf dieses Amt fand keine ununterbrochene Thätigkeit statt, dader Schauplatz der Thätigkeit für den Kaiser so sehr wechselte, und dieitalischen Angelegenheiten erst an die Reihe kommen konnten, wenn inDeutschland Alles hinreichend geordnet war, um ihm eine Entfernungaus dem Lande zu gestatten. Das Eingreifen erfolgte überdieß in derRegel erst dann, wenn ein bestimmtes Bedürfniß dazu eintrat, nach be-sonderer Aufforderung des Papstes oder auf die Kunde von Ereignissen,die der Kirche mit einer Störung drohten. Während Otto II. schonbei Lebzeiten seines Vaters die Krone erhalten hatte, erhielten Otto III.und Heinrich II. sie erst in den Jahren 995 und 1014. Das kaiserlicheEinschreiten hatte aber nicht die vorgängige Krönung zur Bedingung,sondern ging meist dieser vorher, da seit Otto I. die Kaiserwürde alsan die deutsche Königswürde geknüpft angesehen wurde, und die Krönungnur die Bestätigung der Würde für den jedesmal zu derselben Berufenenwar. Am bedeutsamsten wurde unter den sächsischen Fürsten die Kaiser-würde durch ihren Einfluß auf die Besetzung des päpstlichen Stuhles.Seit Otto I. hatte die Wahl ihre naturgemäße und notwendige Frei-heit verloren, weil eben diese Freiheit durch die Thätigkeit der römischenAdelsparteien schon zur Unfreiheit geworden war. Es wurde also einUebelftand mit einem anderen, der sich in seinen Folgen minder schädlicherwies, vertauscht. Die sächsischen Kaiser hoben die Nachtheile des durchsie eingetretenen Zustandes wieder auf durch aufrichtige Ergebenheitgegen die Kirche und eifrige Fürsorge für deren Wohl. Schon mitJohann XIII. hatte eine Reihe besserer Päpste begonnen, da aber derenFreiheit fortwährend noch in Rom selbst gefährdet wurde, begründete