Das deutsche Reich bis zum Ende des elfte» Jahrhunderts. 205
Jmmunitätöherrn, und die Freiheit der Einen erweckte in den Anderneinen Wetteifer für Erwerbung einer gleichen Stellung, der im Laufeder Zeit die Bande der Lehensabhängigkeit löste. Dazu kam, daß dieBildung der Immunitäten die großen Lehensgebiete immer mehr schmä-lerte, die auch schon Otto I. nach Unterdrückung von Berengars Parteizersplittert hatte, um neue Erhebungen zu erschweren. Nur einmal nochwurde von Italien aus der Versuch zur Bildung eines italischen, vonDeutschland unabhängigen Königreichs gemacht, als nach Otto's Hl.Tod die Meinung entstand, daß unter den Ottonen, als Gliedern einerFamilie und nicht als deutschen Königen, die italische Krone von einemauf den andern übergegangen sei. Der Markgraf Harduin von Jvrea,der zugleich das Pfalzgrafenamt im nördlichen Italien bekleidete, hattesich Mißbrauch seines Amtes schon unter Otto III. gestattet und schrittnach dessen Tode auf der betretenen Bahn fort, indem er sich zum Kö-nige auswarf. Heinrich II. kam im Jahre 1004 nach Italien, empfingin Pavia die longobardische Krone, verließ aber in Folge eines dortgegen ihn ausgebrochenen Aufstandes Italien sogleich wieder, und dieHerrschaft Harduins, der sich nun wieder erhob, endigte erst im Jahre1014 bei Heinrichs zweiter Anwesenheit in Italien. Im südlichen Ita-lien wurde das von Otto I. nicht erreichte Ziel auch von seinem Sohneund seinem Enkel verfolgt. Da aber Otto II. im Jahre 982 die ost-römischen Besitzungen angriff, verband sich das alte, östliche Kaiserthumgegen das neue, westliche mit dem gemeinsamen Feinde der Christenheit,den Saracenen, die von Sicilien aus ein Hülfsheer schickten. Otto ver-lor eine Schlacht bei Basantcllum und entging nur durch Glück undKühnheit der Gefangenschaft. Sein Nachfolger, der Sohn einer oströ-mischen Kaiserstochter, voll von Vorliebe für den Süden und von demWunsche nach Wiederherstellung des Kaiserthums im ganzen Umfange,suchte eine neue Verbindung mit dem oströmischen Reiche durch Ver-mählung, erlebte aber die Ankunft der begehrten Braut nicht, dieman ihm von Constantinopel aus zugesandt hatte. Unter Heinrich II.bereitete sich endlich eine ganz unerwartete Lösung der die südlichenGebiete betreffenden Frage. Um die Zeit, wo der civilisirte Theil Eu-ropas im Osten durch die bei den Madscharen eingetretene Verände-rung von deren steten Anfällen befreit wurde, erreichten die Seefahrtender Normannen, die von Norden, Westen und Süden einen beständigenKrieg gegen die Civilisation geführt hatten, ihr Ende. Schon zu An-fang des zehnten Jahrhunderts hatte im westfränkischen Reiche um dieMündungen der Sequana eine Niederlassung derselben stattgefunden,welche die neuen Ansiedler zur Civilisation führte und, indem ihr neuerWohnort das Ziel aus der Heimath nachfolgender Wanderungen wurde,immer mehrere Genossen des früheren Seeräuberlebeus in den Kreis