Das deutsche Reich bis zum Ende des elfte» Jahrhunderts. 203
erhält, während die abgetrennten Gebiete als besonderes Herzogthumden bisherigen Inhaber des bairischen Herzogthums entschädigen. DieThätigkeit der Könige ist von derselben Art wie die der vorhergehenden.Die Regierung üben sie weniger mittelst einer fortgesetzten Anwendunganerkannter Grundsätze und einer von ihnen beaufsichtigten Handhabungbestehender Einrichtungen, als vermittelst eines unaufhörlichen Versuchens,für dessen Erfolg das Verhältniß von Kraft und Gegenkraft das Maßbestimmt. Ihr Leben ist beständige Wanderung, da jede Angelegenheitda, wo sie sich entwickelt, entschieden werden muß. In den Verhältnissenzu den Nebenländern trat keine wesentliche Veränderung ein. In denLändern zwischen Elbe und Oder, sowie in Dänemark, dauerte der schwan-kende Zustand fort, der eine immer wiederholte Thätigkeit der deutschenWaffen forderte. Im westfränkischen Reiche hatte König Lothar gleichseinem Vater Ludwig IV. bei einer persönlichen Tüchtigkeit, durch welchebeide ihre Vorfahren übertrafen, das Bestreben, durch Gewinnung Lo-thringens der in dem Reiche sehr beschränkten Königsmacht eine festereGrundlage zu geben. Otto II. hatte mit Lothar, der bis Aachen vorge-drungen war, zu kämpfen, und dieser Kampf führte ihn im Jahre 978bis auf die Höhen von Paris und sicherte Lothringen von Neuem demdeutschen Reiche. In Polen löste sich die Abhängigkeit vom Reiche unterMiescpslaws überaus kräftigem und unternehmendem Sohne Boleslaw.Gegen Otto III. blieb er noch in einem freundschaftlichen Verhältnisse.Adelbert, der zweite Bischof von Prag, ein Freund Otto's, war in Aus-übung seines Amtes bei den durch das Christenthum noch wenig erzoge-nen Böhmen auf Hindernisse gestoßen, die ihn mittelbarer Weise ausdem Lande vertrieben. Unter Zuthun des Polenfürsten hatte er dessennördliche Nachbarn, die an der Seelüfte wohnenden Preußen, zu bekehrenunternommen, war aber damit bei dem noch allzu wilden Volke geschei-tert, hatte den Tod eines Märtyrers dort erlitten und war von Boles-law, der die Auslieferung seines Leichnams erkauft hatte, in Gnesenbestattet worden. Zu seinem Grabe wallfahrtete Otto im Jahre 1000und genoß ausgezeichnete Gastfreundschaft von Seiten Boleslaws. Beidieser Gelegenheit wurde auf sein Betreiben ein Erzbisthum Gnesen ge-stiftet und dessen Metropolitansprengel umfaßte außer dem ältesten pol-nischen Bisthume Posen auch vier unter Boleslaw erst gestiftete Bis-thümer, Plock für das an der mittleren Weichsel und dem untern Buggelegene Masovien, Kolberg für die durch Boleslaw der polnischen Hoheitunterworfenen Pommern, und Breslau und Krakau für die von ihmden Böhmen entrissenen Landschaften Schlesien und Chrobatien. Erstein Jahrhundert später kam noch das zu beiden Seiten der mittlerenOder gelegene Bisthum Lebus hinzu. Unter Heinrich II. ließ es zwarBoleslaw auch nicht an Beweisen von Ehrerbietung fehlen, aber er