Das deutsche Reich bis zum Ende des elfte» Jahrhunderts. 201
Hand. Im Jahre 061 berief Otto einen Reichstag nach Worms, umdie Heeresfolge nach Italien zu erhalten. Er brachte es dahin, daßsein und Adelheids siebenjähriger Sohn Otto zum Könige gewühlt undsogleich in Aachen gekrönt wurde. Nachdem er so, was bisher imdeutschen Reiche nicht so entschieden geschehen war, die Königskroneseinem Hause gesichert hatte, zog er im Jahre 862 nach Rom und er-hielt die Kaiserkrone. Der Papst verlieh sie ihm in dem Sinne, wieseit Arnulfs Zeit an italische und burgundische Große die italische Königs-krone vergeben worden war; Otto aber empfing sie in dem Sinne,wie sie Karl der Große empfangen hatte. Als Johann XII. merkte,daß der deutsche König nicht bloß den vorübergehenden Dienst, Beren-gar zu schwächen, leisten werde, rief er selbst Berengars Sohn Adelbertherbei. Otto, der sich in Pavia befand, kehrte zurück, der Papst undsein Anhang flohen, und römische Große klagten ihn bei dem Kaiserwegen lasterhaften Lebens an. Ein durch den Kaiser berufenes Conci-lium erwählte im Jahre 963 statt seiner Leo VIII., und nahm denRömern einen Eid ab, ohne seine und seines Nachfolgers Zustimmungkeinen Papst mehr zu wählen. Doch er mußte, da Johann zurückgekehrtwar, im Jahre 964 zum dritten Male in Rom erscheinen. Als erkam, war Johann schon gestorben und von seiner Partei Benedict V.gewählt. Ihn verwies Otto nach Hamburg und setzte Leo VIII. wiederein. Während dieser Zeit wurde auch Berengars Partei unterdrückt,und er selbst mußte sich in der Feste St. Leo bei Montefeltre an Ottoergeben, der ihm für den Nest seines Lebens Bamberg zum Aufenthalteanwies. Was Otto gleich seinen Vorgängern schon in Deutschland er-fahren hatte, daß nur sein gezücktes Schwert Ruhe erhielt, erfuhr er inhöherem Maße in Italien. Eine eigentliche Grundlage staatlichen Lebensfehlte, Alles entschied sich weniger nach Gesetz als nach Herkommen, undin dem trüben Gähren entfesselter Leidenschaft war keine Fähigkeit, einGesetz zu finden oder zu ertragen, vorhanden. So blieb die Wirksamkeitdes Regenten meist an sein persönliches Erscheinen geknüpft, und wo erRuhe geschafft, erhob sich schnell, wie er entfernt war, Alles wieder,was er zu Boden geworfen hatte. Als Leo VIII. im Jahre 965 ge-storben war, ließ Otto im Beisein von zwei kaiserlichen Abgeordneteneine ordentliche Wahl halten. Der Papst, der so erhoben wurde, Jo-hann XIII., hatte bald wieder Hülfe nöthig. Dadurch wurde ein dritterHeerzug nach Italien im Jahre 966 veranlaßt, und Otto blieb jetzt eineReihe von Jahren in dem Lande, da er nach Erreichung des nächstenZweckes, nach Unterdrückung des Aufstandes in Rom, weitere Zwecke,die sich an das Kaiserthum knüpften, zu verfolgen hatte. Die Kundevon dem mächtig schaltenden neuen Kaiser regte in Constantinopel denKaiser Nicephorus an, die veralteten Ansprüche auf Italien von Neuem