Das deutsche Reich bis zuin Ende des elften Jahrhunderts. 197
da er ihnen den freien Abzug nicht gestatten, sondern sie vernichtenwollte, eine Niederlage, durch welche ihnen das nördliche Italien vonNeuein preisgegeben wurde. Seine Ohnmacht veranlaßte die Großen,die einer Leitung und Hülfe bedurften, den König Ludwig von Nieder-burgund zur Herrschaft in seines Großvaters Reich zu berufen, wo erim Jahre 901 von Papst Johann IX. die Kaiserkrone erhielt. Dochda die Großen des Landes immer einen Herrscher nur bedurften, umsich des andern zu entledigen, wurde auch Ludwigs Stellung unhaltbardurch eine Verbindung, die der seiner Markgrafschaft Friaul beraubte Be-rengar, nachdem er in Baiern Zuflucht gefunden, von dort mit dem Mark-grafen Adelbert von Tuscien knüpfte. Noch im Jahre 901 war Be-rengar wieder Herr des Landes, und Ludwig hatte gegen eidliches Ver-sprechen, nicht wicderzukehren, freien Abzug in sein Land erhalten. ImJahre 905 kam Ludwig ungeachtet seines Eides, durch eine neu erstan-dene Partei gerufen, wieder nach Italien, trieb Berengar über Papiaund Verona zurück, ward aber in der letzter» Stadt von ihm überfallenund zur Strafe des Eidbruchs geblendet, worauf er wieder heimkehrendurfte. Jetzt trachtete Berengar nach der Kaiserkrone, und Papst Jo-hann X. begehrte von ihm Hülfe gegen die Saracenen, die von eineran der Mündung des Liris gegründeten Niederlassung her Nom be-drängten. Indem er daher neu eingebrochene Madscharen durch Geldabkaufte, ließ er, der sein nächstes Gebiet nicht hatte vertheidigcn kön-nen, sich im Jahre 916 zum Kaiser krönen, unternahm aber nichts gegendie Saracenen und ließ nur einen Heerhaufen zur Verthcidigung Romszurück. Die Vertreibung der Saracenen bewirkte der Papst selbst, derim Kriege viel erfahrener als in geistlichen Dingen war. Kurz nach-dem Berengar im mittleren Italien Anerkennung gefunden, regte sichim nördlichen sogleich wieder eine Partei gegen ihn. Zu ihr gehörteMarkgraf Adelbert von Eporedia oder Jvrca, der früher mit Beren-gars Tochter Gisela vermählt gewesen war. Berengar wird der ParteiMeister durch Madscharen, die er in Sold nimmt. Dadurch entstehtfür seine Gegner das Bedürfniß auswärtiger Hülfe, und sie rufen Ru-dolf II. von Hochburgund. Dieser erscheint, von seinem SchwiegervaterBurkard unterstützt, besiegt Berengar bei Plaeentia, kehrt aber baldheim, indem er die Fortsetzung des Kampfes seinen Anhängern überläßt.Von Verona aus verheert nun Berengar mit madscharischer Hülfe dasganze obere Italien, erregt aber dadurch solchen Unwillen, daß er imJahre 924 in Verona durch einen seiner Vertrauten ermordet wird.Als Rudolf II. nun neue Versuche macht, ruft eine Gegenpartei denGrafen Hugo aus Nicderburgund herbei, der dort nach Ludwigs Todefür dessen unmündigen Sohn Karl Constantin die Vormundschaft geführtund sich dann mit Verdrängung desselben^',die Herrschaft angemaßt hat.