198 Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
Rudolf zieht sich nach dem Tode seines Schwiegervaters zurück. Hugosetzt sich in Verbindung mit einer in Rom durch Künste der Verführungzu großer Macht gelangten zügellosen Frau, der Marozia, der Tochterder ihr ähnlichen Theodora. Er vermählt sich mit ihr und glaubt durchsie seine Macht um so sicherer zu gründen, als Maroziens Sohn ausfrüherer Ehe durch seiner Mutter Verbrechen als Johann XI. auf denpäpstlichen Stuhl gestiegen ist. Doch die Unternehmung wird durchAlberich, einen anderen Sohn Maroziens, der sich gewaltsam zum Herrnvon Rom macht, zum Theil vereitelt. Da Rudolf jetzt wieder Absichtenauf Italien zeigt, vergleicht sich Hugo mit demselben im Jahre 933dahin, daß derselbe ihm Italien überlasse und dafür das niederburgun-dische Reich mit dem seinen vereinige. So erhielt Hugo wenigstens imnördlichen Italien die Herrschaft, und er behauptete sie länger als einerseiner Vorgänger. Er drückte alle gegen ihn gerichteten Bewegungenmit Grausamkeit nieder und besetzte die Bisthümer, welche auch in Ita-lien sich zu einem Gegengewichte gegen den Adel zu eignen schienen,soviel er konnte, mit Verwandten. Schon zu Anfang seiner Negierung,im Jahre 934, war eine Unternehmung gegen ihn, zu welcher die Un-zufriedenen den Herzog Arnulf von Baiern beredet hatten, vergeblichgewesen. Er zerstörte auch eine der saracenischen Niederlassungen inItalien, die bei Frarinetum an der ligurischen Küste, wodurch denPlünderungszügen der Saracenen durch Italien und Burgund ein Endegemacht wurde. Doch neue Angriffe der Madscharen mußte er, wieBerengar, durch Geld abkaufen. Der bedeutendste unter den weltlichenGroßen, der, weil er sich von Hugo gefürchtet wußte, auch für sich zufürchten hatte, war der Markgraf Berengar von Jvrea, der Sohn Adel-berts und Gisela's. Dieser floh nach Alemannien zu Herzog Hermann,konnte zwar durch dessen Vermittlung die Hülfe des deutschen Königsnicht erlangen, kehrte aber mit dort gesammeltem Kriegsvolke zurück undgewann soviel Anhang, daß Hugo sich im Jahre 946 nach Arelate zu-rückzog, wo er bald starb. Hugo's Sohn Lothar blieb in Italien zurück,war aber fast ohne alle Macht und starb im Jahre 950. Da glaubteBerengar den Rest von dessen Partei an sich zu knüpfen, wenn er dieWittwe Lothars, die schöne und kluge Adelheid, eine Tochter Rudolfs II.,mit seinen: Sohne Adelbert vermählte. Sie aber weigerte sich dessen,und da sie von Berengars Gattin Willa, in deren Gewalt sie war,deshalb hart behandelt wurde, entfloh sie aus dem Schlosse Garda underhielt eine Zuflucht bei einem Dienstmann des Bischofs von Regium aufdem Schlosse Canossa. Von hier aus fand sie Mittel, dem deutschen Könige,der bereits verwittwet war, ihre Hand und die Herrschaft von Italienantragen zu lassen. Wie das deutsche Reich im Bewußtsein der Völkerden Haupttheil des Karolingischen Reiches bildete, waren auch in Deutsch-