196 Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
altern gestiftete Reich bis an die Oder und die Grenze von Böhmenausgcbreitet hatte. Auch hier erfocht Gero Siege, und der polnischeFürst erkannte Otto's Hoheit an. Obgleich diese Unterwürfigkeit nureine sehr lose war, auch in der Folge bald ganz aufhörte, war doch demChristenthum durch sie der Weg in ein außer dem Kreis der bishe-rigen Weltbegebenheiten gelegenes Land geöffnet. Es fand dort eineum so bereitwilligere Aufnahme, als durch des Fürsten Vermählung mitdes ersten Boleslaw Tochter, von Böhmen aus vorgearbeitet wordenwar. Es wurde im Jahre 968 unter Mitwirkung Otto's das erstepolnische Bisthum in Posen gestiftet. Die hierdurch in Polen vorge-gangene Umwandlung machte den Fürsten in den ferneren Kämpfen mitden westlicheren Slaven, die früher einen Rückhalt an Polen gehabthatten, zu einem Bundesgenossen des deutschen Königs. Ein Vorkämpferdes Christenthums, erschien in den Zeiten nach dem böhmischen FriedenOtto auch im Lande der Dänen, das die Deutschen, indem sie den Na-men der dänischen Mark im deutschen Reiche auf das Nachbarland über-tragen, Dänemark nennen. Durch seine Heereszüge, die bis zum nörd-lichen Ende der Halbinsel gingen, ward der Sohn des im Jahre 936gestorbenen Gorm, Harald Blauzahn, gezwungen, das Christenthum imLande zu dulden und sich selbst, obgleich aus seinem Innern das Heiden-thum nicht wich, als Christen zu bekennen. Es wurden die BisthümerSchleswig, Ripen und Aarhus gestiftet, deren Inhaber Suffragane desbremisch-hamburgischen Sprengels wurden. Aber langsam, noch lang-samer als einst bei den Sachsen, brach das Christenthum sich im LandeBahn.
7. Ehe es Otto gelang, Deutschlands Ruhe auch vor den Madscha-ren zu sichern, knüpfte er die seit Arnulf aufgegebene Verbindung mitItalien an, wodurch er, der im Kampfe gegen das Heidenthum denSpuren Karls des Großen folgte, dahin geführt ward, an dessen lange leergebliebene Stelle auch als Schirmvogt der Kirche zu treten und dieKaiserwürde, die der Beherrscher der Franken besessen, den Beherrscherndes mächtigsten der aus seinem Reiche hervorgegangenen Reiche zu er-werben, welches dadurch nur um so entschiedener das Hauptreich derChristenheit wurde. Die Theilung Italiens zwischen Berengar undLambert würde den Frieden nicht erhalten haben. Nur Lamberts Todim Jahre 897 verhinderte den Ausbruch eines neuen Krieges, zu demdie Durchkreuzung beiderseitiger Lehensverhältnisse Anlaß genug bot.Für Berengar erschien setzt ein neuer Feind in Schwärmen der Madscha-ren, von denen Italien so wenig als Deutschland verschont blieb. Alser ein Heer derselben von Papia gegen die Brenta znrückgeworfenhatte, und dieselben in dem von Strömen durchschnittenen und von festenOrten erfüllten Lande im größten Gedränge waren, erlitt er von ihnen,