Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

194 Das deutsche Reich bis zum Ende des elfte» Jahrhunderts.

Heinrich von Eberhard in Verwahrung gehalten wurde. Dieser Kriegwurde durch das Erscheinen des Königs beendigt, als ein zweiter inBaiern bereits beendigt war. Nach Arnulfs Tode hatte eine Volks-versammlung der Baiern dessen ältesten Sohn Eberhard zum Herzogeerhoben. Otto wollte sich die Verfügung über das Herzogthum nichtentziehen lassen und bestimmte Arnulfs Bruder Berthold zum Herzoge,während er den jüngern Sohn Arnulf zum Pfalzgrafen von Baiernernannte. Der ganze Streit hing zusammen mit der Willkühr, die Ar-nulf, der Vater, gegen die Bischöfe des Landes geübt hatte. Es erfolgtedaher eine Beschränkung der dem Vater gegen die Bischöfe eingeräum-ten und von ihm auf räuberische Weise mißbrauchten Befugnisse. Nach-dem Otto seinen Anordnungen durch die Waffen Geltung verschafft hatte,fand er Empörung in Franken und Sachsen, während Herzog Hermannungeachtet seiner Verwandtschaft mit Eberhard treu geblieben war. Siewurde gedämpft durch Einnahme der Eresburg, wobei Thankmar fiel,und durch Hinrichtung der Häupter seiner Partei. Einen dritten Auf-stand bereitete jetzt Eberhard, indem er sich mit Heinrich versöhnte unddas diesem schon von seiner Mutter eingeflößte Verlangen nach derKönigswürde von Neuem anfachte. Mit Otto's Erhebung hatte manzum ersten Male den alten Grundsatz der Theilbarkeit des Reiches, un-geachtet mehrere Söhne des vorigen Königs lebten, tatsächlich verlassen,und Heinrich erschien es möglich, eine alte Regel, die nicht förmlich ab-geschafft war, wieder in Uebung zu bringen. Es wurde auch geltendgemacht, Heinrich sei der älteste von denjenigen Söhnen des KönigsHeinrich, die während der königlichen Regierung desselben geboren wor-den. Man machte den König erst sicher, indem man für Eberhard dessenVerzeihung erwirkte. Als aber Otto gegen die bis zur Bode vorge-drungenen Madscharen beschäftigt war, gewann Heinrich einen Anhangin Sachsen, und Eberhard zog den unruhigen Giselbert in den Bund.Der Krieg wurde bald in Lothringen, bald in Sachsen geführt und ent-schied sich durch einen Sieg, den Hermann über die Feinde des Königsim Jahre 939 bei Andernach erfocht, worauf Otto den westfränkischenKönig Ludwig IV., der zu ihrer Unterstützung in Lothringen und dasElsaß eingefallen war, bis nach Attiniacum verfolgte. Da Eberhardund Giselbert bei Andernach umgekommen waren, trat an EberhardsStelle der fränkische Graf Konrad von Worms, ein Neffe des KönigsKonrad, an Giselberts Stelle dessen unmündiger Sohn unter Vormund-schaft des Grafen Otto von Virodunum, und da die zwei Letzteren baldstarben, erhielt der fränkische Konrad auch das Herzogthum Lothringen. Mitdem westfränkischen Könige aber wurde Freundschaft geschlossen, und der-selbe heirathete Otto's Schwester, die Wittwe Giselberts. Obgleich Ottoseinem Bruder Heinrich verziehen hatte, suchte dieser doch bald einen