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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 193

starb, statte er von den drei Söhnen seiner zweiten Gemahlin Mathildeden ältesten, Otto, auf einer nach Erfurt berufenen Versammlung alsNachfolger empfohlen. Damit war der Versuch gemacht, ungeachtet desWahlrechtes die Krone in der Familie zu erhalten. Der Versuch ge-lang auch, da das Haus, welchem der letzte König angehört hatte, ebendadurch so sehr hervorragte, daß die übrigen Fürsten sich am leichtestendann einigen konnten, wenn sie ihm die Ehre beließen, um derentwillenim anderen Falle ein bedenkliches Zerwürfniß bevorstand. Der neueKönig war der erste, der seine Würde von sämmtlichen deutschenStämmen empfing und sich daher auch im eigentlichen Sinne, wieer that, König der Deutschen nennen konnte. Eine Versammlung vonGroßen wurde nach Aachen, dem ehemaligen Wohnort Karls des Großen,berufen, und Otto erhielt hier die feierliche Krönung, die sein Vater,vermuthlich weil er nach der Erwählung sich erst selbst zum Könige ma-chen mußte, nicht gewollt hatte. Die Krönung wurde von den Erz-bischöfen von Trier und Köln, die sich dieselbe streitig machten, an denvon Mainz überlassen. Die Häupter der vier Länder, die Deutschlandaußer Sachsen zählte, versahen bei der Krönungsfeier die schon an demMerowingischen Hofe eingeführten Hofämter. Giselbert, in dessen Landeman sich befand, besorgte als Kämmerer die Bewirthung, und von dendrei andern übte Eberhard das Amt des Truchsessen, Hermann das desSchenken, Arnulf das des Marschalls.

5. Wie im alten Frankenreiche die Begründung einer neuen Ord-nung der Dinge, ehe sie Bestand gewinnen konnte, dreimal, durch Pipinvon Heristal, seinen Sohn und seinen Enkel, unternommen werden mußte,so hatte auch in dem deutschen Reiche Otto das, was Konrad und Hein-rich gethan, als der dritte von Neuem zu beginnen. Wie dem SohneKarl Martells, war es aber auch ihm beschieden, der von ihm verfolg-ten Richtung den Sieg zu verschaffen und über das Ziel seiner Vor-gänger hinauszugelangen. Innere Empörungen, Abfall der Slaven,Angriffe der Dänen, Einbrüche der Madscharen, Alles wiederholte sichund fand eine entscheidendere Beendigung. Zuerst brachte die Eifersuchtzwischen Franken und Sachsen eine Fehde hervor, da Sachsen, die inHessen wohnten, unmittelbar unter dem Könige zu stehen meinten undsich dem mit herzoglicher Macht im Lande schaltenden Eberhard wider-setzten. Die gewaltsame Hülfe, zu der Eberhard griff, zog ihm eineGeldstrafe von Seiten des Königs zu, und die dadurch bei ihm entstan-dene Gereiztheit verleitete ihn, einem Aufstandsversuche in Sachsen dieHand zu bieten. Hier war Otto's Stiefbruder Thankmar, HeinrichsSohn aus erster Ehe, aus manchen Gründen unzufrieden und beganneinen Aufruhr, indem er Otto's jüngeren Bruder Heinrich gefangennahm und sich der Eresburg an der Diemel bemächtigte, während

Kiesel, Weltgeschichte. II. 13