192 Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
Stämme getheilt, kämpften die nördlichen Slaven, auch mit dem allge-meinen Namen Wenden bezeichnet, wie ehemals die Sachsen, zwar mitverzweifeltem Muthe, aber ohne Uebereinstimmung und Plan. So wurdedie deutsche Herrschaft in den Ländern zwischen der Elbe und der mitt-leren Oder begründet. Das Gebiet der völlig unterworfenen Sorbenwurde schon in Grafschaften gctheilt und erhielt eine regelmäßige Ver-waltung. Jenseits der Elbe wurde für Behauptung und Erweiterungdes Gebietes in der Weise gesorgt, wie es Karl der Große schon be-gonnen hatte. Es entstanden hier in der Folge drei Markgrafschaften,zu denen setzt der Grund gelegt wurde, die Nordmark, die Ostmark, nachdem dortigen Slavenstamme auch Lausitz genannt, und Meißen, benanntnach der Stadt, die bei dem Austritt der Elbe aus dem Gebirge ange-legt ward. An diese Unternehmungen knüpft sich der Beginn einerUmschmelzung der slavischen Bevölkerung in deutsche. Es wurden frän-kische und sächsische Ansiedler in das Land verpflanzt, und während dieDeutschen in den eroberten romanischen Ländern zum Theil eigne Sitteund Sprache verloren hatten, trugen sie hier gleich den römischen Colo-nieen des alten Italiens ihre Sprache und Sitte in das Land der Ue-berwundenen und eroberten der deutschen Sprache ein Gebiet wieder,das an die Slaven verloren gegangen war. Leicht gelang die Unterwer-fung Böhmens, in welchem die Oberhoheit des Reichs seit Arnulfs Zeitin Vergessenheit gerathen war. Der Fürst Wenceölaw, von seiner from-men Großmutter Ludmilla für das Christenthum begeistert, war durchseine wendische Mutter in seinen Absichten gehemmt worden und unter-warf sich dem deutschen Könige, da dieser mit dem Baiernherzog Arnulfvor Prag erschien, um so lieber, als er nur in Verbindung mit dem Reichefür sein Land eine feste kirchliche Ordnung und Schutz gegen die Ma-dscharen zu gewinnen hoffen konnte. Auch gegen die Dänen, die theilsFriesland, theils, mit den Wenden verbunden, Sachsen heimgesucht hat-ten, wandte Heinrich seine Waffen. Gorm der Alte hatte jüngst, durchdie Abwesenheit kühner Gefolgsherren begünstigt, sich zum Alleinherrscherüber die Halbinsel und die umliegenden Inseln erhoben und war so derStifter eines dänischen Reiches geworden. Im Kampfe mit ihm rückteHeinrich die deutsche Grenze über die Eider bis an den MeerbusenSchlei vor und gründete zum Schutz nach dieser Seite zwischen Eiderund Schlei die Mark Schleswig. Als nun die Madscharen im Jahre933 nach Ablauf ihres Waffenstillstandes wiederkehrten und in gewohn-ter Weise Tribut forderten, wurden sie abgewiesen, und da ihre Hau-fen in Thüringen einbrachen, erfocht Heinrich über sie bei Merseburgmit einem Heere von Sachsen, Thüringern, Alemannen und Baierneinen großen Sieg, der für längere Zeit Ruhe von diesen Feinden ge-währte. Ehe Heinrich im Jahre 936 zu Memleben an der Unstrut