Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 191

zogs Richard Sohn Konrad zum Könige erhoben hatten, entstand imLande eine Parteiung. Da nun die eine Partei, der Giselbert selbst an-gehörte, Heinrichs Eingreifen veranlaßte, wurde die westfränkische Parteiniedergewvrfen, und so sehr sich auch Giselbert der Unterordnung unterdas östliche Reich zu entziehen suchte, ward dieselbe von Heinrich durch-gcsetzt und Lothringen blieb nun für die Dauer bei dem Reiche, dasdadurch in dem Besitz des gesummten Mosel- und Maasgebietes war.Zur Sicherung des Landes stellte Heinrich dem unzuverlässigen Gisel-bert den fränkischen Eberhard in dem Amte eines Pfalzgrafen, das erauch in Franken bekleidete, zur Seite. Das Streben der Könige mußteüberhaupt dahin gehen, die herzogliche Würde von sich abhängig zumachen. Demgemäß verfuhr Heinrich in Alemannien, als Burkard,der sich mit Rudolf II. versöhnt und ihn zu seinem Schwiegersohn er-wählt hatte, in Italien, wohin er ihm als Bundesgenosse gefolgt, gestor-ben war. Er verlieh das Herzogthum nicht dem Sohne Burkards, son-dern dem fränkischen Grafen Hermann, einem Verwandten Eberhards.Hierauf begannen die Vorkehrungen zum Schutze nach Osten und Norden.Die Madscharen waren auch unter Heinrichs Negierung wieder durchSachsen, Baiern und Alemannien gestreift. Bei einem ihrer Einfälleim Jahre 924 hatte er einen ihrer Führer gefangen genommen, dessenAuslieferung sie mit neunjährigem Waffenstillstand erkauften. Die hier-durch gewährte Frist benutzte Heinrich zu umfassenden Rüstungen. Erordnete in dem durch ihn selbst unmittelbar verwalteten Sachsen Be-festigung offener Orte an, bestimmte, daß von den auf dem flachenLande wohnenden Dienstmannen der neunte in den nächsten festen Ortwanderte, und daß für die so gebildete Besatzung der dritte Theil vondem Ertrage der umliegenden Felder als Vorrath abgeliefert würde.Die Stadt Merseburg erhielt eine Besatzung besonderer Art dadurch,daß er von herumstreifendem Volke, das bei den vielfachen innerenKämpfen das Rauben zum Geschäft gemacht hatte, eine Anzahl durchVersprechen der Verzeihung zusammenbrachte und ihrer Kriegslust eineRichtung auf die Feinde des Reiches gab. Zugleich sorgte er fürWaffenübung, wodurch man zum Widerstande gegen den in Neiterschaa-ren kämpfenden Feind geschickter würde. Waffenspiele, die schon Ln derKarolingischen Zeit zu diesem Zwecke üblich gewesen, wurden häufig ge-halten, um Ehrgefühl zu wecken und Gewandtheit zu verschaffen. Hierdurchbildete sich eine Reiterei, woran es bis jetzt gefehlt hatte, und Heinrichsuchte derselben die nöthige Stärke zu geben, indem er anordnete, daßalle, die es vermöchten, den Kriegsdienst zu Pferde leisteten. Eine grö-ßere Vorübung für den Krieg gegen die Madscharen fand aber durchKriege gegen die Slaven statt, die in der Zeit der inneren Verwirrungdes Reiches wieder unabhängig geworden waren. In viele einzelne