Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 189
das ganze Reich bestimmten Pfalzgrafenamtcs. Den damaligen fränki-schen Pfalzgrafcn Konrad empfahl Herzog Otto, weil er selbst die Lastdes Alters fühlte, zum Könige. Indem das Königthum durch Wahlbesetzt wurde, verwandelten sich auch die königlichen Güter in Neichs-güter, in deren Besitz der König eben durch seine Erhebung zum Königegelangte, und hieraus wird es klar, wie von einer Theilung nach Mero-wingischer und Karolingischer Art nicht fürder die Rede sein konnte.Der neue, aus der Wahl zweier Stämme hcrvorgegangcnc König hattenach allen Seiten sich erst durch Gewalt die Anerkennung zu erzwingen.In Lothringen machte Neginar, der unter Zwentibald die herzoglicheMacht, nach dessen Tode auch den herzoglichen Namen sich angeeignct,sich dadurch unabhängig, daß er sich an das westfränkische Reich anschloß,dessen König zu machtlos war, als daß seine Hoheit hätte empfundenwerden können. Nur das Elsaß und Fricöland oder das Bisthum Ut-recht wurden von Konrad zurückcrobcrt und dadurch von Lothringengetrennt, indem das Elsaß nun zu Alemannien oder Schwaben kam undFricsland in eine Verbindung mit dem Herzogthum Sachsen trat, diein der Folge bald fester, bald loser war. In Alemannien gab eingroßer Friedcnsbrnch Anlaß zum Einschreiten des Königs. Es hattesich dort eine Feindschaft vieler Grafen gegen den Bischof von Constanzentwickelt. Die Bischöfe waren überhaupt allenthalben reichlich mitLehen ausgestattct worden, weil die auf den bischöflichen Sitzen wech-selnden Personen im Besitze von Lehen den Königen genehmer seinmußten, als die weltlichen Inhaber der Lehen, die bei der Sorge, ihrLand in ihren Familien zu vererben, leicht zu einer dem königlichen An-sehn widerstrebenden Macht erwuchsen. Dadurch wurde aber der Vor-theil der weltlichen Großen vielfach durchkreuzt, und namentlich standendie Bischöfe demjenigen Bemühen, das zur Ausbildung und Befestigungder Herzogswürde führte, hindernd im Wege. Unter solchen Umständenbegann ein innerer Krieg in Alemannien von Seiten zweier hier wal-tenden königlichen Sendboten, die von vielen andern Grafen unterstütztwurden, gegen den Bischof von Constanz. Der Krieg endete mit Ge-fangennehmung der Sendboten und ihrer Hinrichtung kraft eines Spru-ches versammelter Großen. Doch der Aufstand war damit nicht nieder-geschlagen, und er wurde nur dadurch beendigt, daß das Haupt desselben,Gras Burkard, der sich zum Herzoge von Alemannien hatte wählenlassen, in der angemaßten Würde von dem Könige anerkannt wurde.Auch zu den Sachsen kam Konrad in ein schwieriges Verhältnis'. AlsHerzog Otto gestorben war, gab Konrad zwar zu, daß das Herzogthumauf dessen Sohn Heinrich überging, wollte aber, um das königliche An-sehen aufrecht zu erhalten, nicht die Fortdauer der Verbindung Thürin-gens mit demselben gestatten. Es entstand ein Krieg, der zum Theil