Das Karolingische Reich.
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gelangte der Herzog von Spoletum zu einer fast unabhängigen Stel-lung. Im Kirchenstaate walteten in einzelnen Gebietstheilcn Häupterdes Adels und mischten sich selbst in die Papstwahl ein. Die Päpstewaren so von einer Willkühr bedroht, während die Abhülfe, die sie vondem Kaiser verlangen konnten, die Gefahr einer neuen Willkühr mitsich brachte. Zugleich war Rom ein Hauptziel saraccnischcr Angriffe.Allen diesen Erscheinungen gegenüber vermochte Ludwig II. nur wenigKraft zu entwickeln, da die einzelnen Gewalthaber, so verschieden auchihre Vortheile und ihre dadurch begründeten gegenseitigen Stellungenwaren, das gemeinschaftliche Ziel hatten, die kaiserliche Macht nicht auf-kommen zu lassen. Die Erstürmung von Barium im Jahre 872 wardie einzige Unternehmung, die ihm gelang. Die Folge von des KaisersSchwäche war, daß in Italien die Vasallen eine abgesonderte Stellung Zu-nahmen, durch Immunitäten aus dem Kreise der von dem Kaiser geführtenNegierung heraustraten und selbst zu der pflichtmäßigcn Lehenshülfewenig Bereitwilligkeit zeigten. Diejenigen von ihnen, welche als Grafendie eigentlichen Beamten des Kaisers bildeten, lernten so den Bezirk,über den sich ihre Amtsgewalt erstreckte, mit demjenigen, welchen sieals Lehen besaßen und für welchen sie meist Immunität hatten, aufgleiche Weise behandeln. Da so in der allgemeinen Auflösung dieEinzelnen ihre besonderen Zwecke verfolgten, war man überall aufSelbsthülfe angewiesen. Wer cs vermochte, umgab sich mit Mitteln derVertheidigung, und es zerfiel das Land in zahllose Gebietstheile, diebesonderen Staaten glichen. Als nun Ludwig II. im Jahre 875 zuBriria gestorben, war zwar, da das Bedürfniß nach Schutz an vielenOrten gefühlt und selbst für eigennützige Bestrebungen die Unterstützungdurch eine gesetzliche Obermacht gewünscht wurde, die Nothwendigkeit,ihm einen Nachfolger zu geben, einleuchtend, man verlangte aber nacheinem solchen, der die Auflösung zu hemmen nicht die Macht hätte.Es bildeten sich zwei Parteien, deren eine auf das westfränkische, dieandere auf das ostfränkische Reich ihre Augen richtete. Es erschien auchsowohl Karl der Kahle in Italien, als König Ludwig erst Karl denDicken, dann Karlmann nach Italien schickte. Karl der Kahle erhielt,nachdem er von seinen Gegnern den ersten durch den Schein eines An-griffes auf Deutschland, den zweiten durch einen Waffenstillstand ge-täuscht hatte, von Papst Johann VIII., der ihm den Vorzug gab, dieKrönung. Karl wahrte das kaiserliche Ansehen in Italien nicht besserals das königliche in seinem Reiche. Nach seiner Rückkehr vertrat ihnHerzog Boso, der Gemahl von Kaiser Ludwigs II. Tochter Irmengarde,der im nördlichen Italien nur einen sehr beschränkten Einfluß ausübte.Nachdem der neue Kaiser im Jahre 870 um Lotharingien gekämpft,zog im Jahre 877 des Papstes Hülferuf gegen die Saracenen ihn wieder