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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das Karolingische Reich.

und trat so in den Stand der Hörigkeit, welcher nach Wesen und Ent-stehungsart dem römischen Colonate ähnlich ist, sa zum großen Theiledas fortdauernde Colonat bildet. Selbst die noch strengere Unfreiheit,die Leibeigenschaft, die fortdauernde, nur durch die christliche Religiongemilderte Sklaverei, erhielt neuen Zuwachs, indem die Noth auch Man-chen zwang, sich selbst einem Herrn als Knecht zu ergeben, oder dieSeinigen als Knechte zu verkaufen. So bildete sich die Lehensaristo-kratie oder der Fcudaladel auf Kosten des Königthums und der niederenFreien immer weiter aus. Da die Lchcnsverhältnisse überhaupt anUnbestimmtheit litten und nicht auf Gesetzen, sondern auf Herkommenruhten, stellte sich das Zweifelhafte in dem Sinne fest, welchen die Be-theiligten zur Geltung zu bringen die Macht besaßen. Dem Königegegenüber stieg die Macht des Feudaladels so sehr, daß königliche Alodesich allmälig in Lchengüter verwandelten und die Verfügung über die Lehen,welche in der Regel vererbt wurden, dem Könige ebenso sehr entzogenwurde, als er sich außer Stande sah, die Erfüllung der darauf haftendenVerpflichtungen zu erzwingen. Der König, der den Bedrängnissen desLandes nicht abhalf und sie, von eigennützigen Günstlingen geleitet, durchWillkühr noch mehrte, trieb die Entwicklung dieser Verhältnisse raschvorwärts, und es erklärt sich so, wie die Großen sich leicht an denostfränkischen Ludwig anschlossen und ihn, da die kräftigere Hand ihnendie unbequemere war, leicht verließen. Der Grad der Erniedrigungdes königlichen Ansehens wird aber am besten bezeichnet durch das vorLudwigs Ankunft den Großen gemachte Zugeständniß, daß sie über dasMaß der Verpflichtungen des Königs entscheiden und sich ihm im Falleder Vernachlässigung derselben vereinigt widcrsetzen sollten.

17. Am meisten war bis zu der Zeit, wo Karl der Kahle dieKaiserkrone gewann, von den Karolingischen Neichen Italien der Auflö-sung verfallen. Kaiser Lothar hatte sich stets im Norden seines Reichesaufgehalten und seinem Sohne Ludwig die Negierung Italiens überlassen.Die afrikanischen Moölemen hatten sich, nachdem sie oft durch Empörungenoströmischer Statthalter auf die Insel Sicilien gezogen worden, seit demJahre 827 zu Herren der Insel gemacht, weshalb das oströmische Reichseinen Besitzungen auf dem Festlande den Titel Sicilien diesseits derMeerenge gegeben hatte. Von hier aus nun machten sie Streifzügegegen die italischen Küsten, setzten sich sogar in Barium fest und ver-fuhren von hier aus, wie im westfränkischen Reiche die Normannen.Seit dem Jahre 857 kamen die Normannen, ebenfalls plündernd, nachItalien. So verbreitete sich ein Zustand allgemeiner Noth und Un-sicherheit. Zugleich löste das Herzogthum Bcnevent sich in drei Theileauf, indem sich zwei Theile seines Gebietes mit den Hauptstädten Sa-lerno und Capua zu selbstständigen Fürstenthümern gestalteten. Daneben