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Das Karolingische Reich.
mit Waldrada, einem Aergerniß, das um so größer ward, als Bischöfe,ihrer Pflicht vergessend, der That zugestimmt hatten und sic verteidig-ten. Papst Nikolaus schloß den König von der Kirchengemeinschaft ausund setzte die auf seiner Seite stehenden Bischöfe ab. Erft der nächstePapst, Hadrian II., hob die Ausschließung auf, als Lothar in Nom er-schien und seine Trennung von Waldrada versicherte. Auf der Rückkehraus Nom starb dann Lothar zu Placentia. Da er keine Söhne hinter-ließ, schien Kaiser Ludwig II. der natürliche Erbe seiner Länder zu sein,aber die Oheime, die Könige von Ostfranken und Wcstfranken, hattenschon früher Absichten auf das Zwischenreich gehabt," das nach seinemverstorbenen Beherrscher Lotharingia hieß. Zwar kam Karl seinem Bru-der, der in Negensburg krank lag, durch Besitznahme zuvor, sah sichaber im Jahre 870 zu einer Theilung gezwungen, welche zu Mecrsenan der unteren Maas ansgeführt wurde. Die Theilungslinie lief ander unteren Maas und der oberen Mosel hin, so daß in der Mitte deslanggedehnten Länderstriches der östliche und westliche Thcil ziemlich gleichwurden, dagegen im Norden Karl Nichts von Friesland, im SüdenLudwig Nichts von der Provincia erhielt.
15. Mit dieser Theilung, durch welche sich die Grenze der beidenReiche der Grenze der Völker und Sprachen nähert, war der Friedezwischen ihnen ebenso wenig befestigt, als sie im Innern erstarkten.Gehemmt wurden die Feindseligkeiten nur durch innere Unruhen in bei-den Reichen und durch die Kämpfe, die das eine mit den Slavcn, dasandere mit den Normannen zu bestehen hatte. König Ludwig erlitt durchAuflehnungen seiner herrschbegierigen Söhne Karlmann, Ludwig undKarl die Strafe für das, was er an seinem Vater verbrochen hatte.Von den benachbarten Slaven waren fetzt die Morawen oder Mährendie gefährlichsten Feinde. Ihre Macht wurde jedoch durch einen Krieg,den Ludwig gemeinsam mit seinen Söhnen, nachdem er sie beschwichtigt undihnen verziehen, gegen sie geführt, im Jahre 870 gebrochen, und ihr FürstNaftislaw gefangen nach Negensburg gebracht. Dieses Ereigniß warfür die Fortschritte des Christenthums nach Osten von Bedeutung. ZweiGriechen, Methodius und Cyrillus, die schon bei den Bulgaren als Be-kehrer gewirkt, hatten vor dem Kriege und während desselben ihre Wirk-samkeit bis zu den Mähren ausgedehnt und waren darin von Naftislawselbst gefördert worden. Gerade der Umstand aber, daß die Bekehrungnun von dem oströmischen Reiche aus erfolgte, schien ebenso sehr diedeutsche Macht in Mähren zu gefährden, als er bei den bafoarischenBischöfen Besorgnisse für die Reinheit der Lehre und für den eignen Einflußerweckte. Da der siegreiche König den Anschluß Mährens an das Reichbewirkte, wurde das Werk der griechischen Bekehrer nun auch durchdeutsche Priester unterstützt, und Papst Nikolaus berief Methodius und