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Das Karolingische Reich-
sollte, während für den ältesten, seinem Vater ähnlichsten Sohn allesUebrige, worunter das eigentliche Frankenland, blieb. So schien fürdie ganz romanischen Gebiete Italiens und des südlichen Galliens dasStreben nach Absonderung berücksichtigt, und einer Trennung der Frankenin deutsche und romanische Franken vorgebeugt. Die Hauptalpenpässewaren, damit keiner der königlichen Brüder von den Reichen der andernausgeschlossen wäre, so vertheilt, daß der Paß des Cenisius in Lud-wigs, der Paß des großen Bernhardsberges in Karls Gewalt wäre. Der-jenige von den Brüdern, welcher allein am Leben blieb, Ludwig, nachseiner Gemüthsart und Gesinnung der Fromme genannt, war nicht derErbe der väterlichen Kraft. Auf einer großen Versammlung zu Aachenim Herbst des Jahres 813 setzte er sich in der Kirche auf Geheiß desVaters die Kaiserkrone auf, während Pipins Sohn Bernhard unterseiner Hoheit die Regierung von Italien erhielt, und im Jahre 814am 28. Januar schied der Vater daselbst von dem Leben. Nachdem imJahre 816 Papst Stephan IV., Leo's Nachfolger, der nach Gallien ge-kommen war, Ludwig in der Stadt der Reiner gekrönt hatte, begannim Jahre 817 das innere Zerwürfniß in der Familie, das Vorspiel derAuflösung des Reiches. Damals nahm Ludwig seinen ältesten SohnLothar zu Aachen als Mitregentcn an, indem er ihm den Kaisertitelverlieh, worauf erst im Jahre 823 die Krönung durch Papst Paschalis,den Nachfolger Stephans IV-, folgte. Zugleich erhielten die beiden jüngerenSöhne, Pipin und Ludwig, den königlichen Namen und wurden über Aquita-nien und Bajoarien gesetzt. Durch diese Anordnungen glaubte König Bern-hard sich bedroht und machte Anstalten, sich in Italien gewaltsam zubehaupten. Zu einem Kampfe kam es jedoch nicht. Man lockte ihndurch Unterhandlungen über die Alpen, und nachdem er sich ergeben,wurde er nach Aachen abgcführt und im Jahre 818 wegen versuchterEmpörung von den dort versammelten Großen zum Tode verurtheilt,dafür zwar, da der Kaiser ihm das Leben zu erhalten wünschte, nurgeblendet, aber durch die Art, wie man diese Strafe vollzog, des Lebensdennoch beraubt.
12. Als dem Kaiser von einer zweiten Gemahlin Judith im Jahre823 ein Sohn Karl geboren worden war, stattete er denselben imJahre 829 zu Worms mit einem Königthum aus, welches aus Aleman-nien und einem Theile von Burgund bestand und also im Herzen desReiches lag. Dies erregte die Unzufriedenheit der übrigen Söhne, unddieselbe richtete sich zugleich gegen die Gemahlin des Kaisers und dendem jungen Karl zur Seite gestellten Grafen Bernhard von Barcino.Es kam zu einem Kriege Lothars und Pipins gegen den Vater, und sienahmen ihn bei der Frühlingsversammlung des Jahres 830 zu Com-pendium gefangen, um ihn der Herrschaft zu entsetzen. Die eigentliche