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Das Karolingische Reich.
7. Karl widmete während seiner kriegerischen Thätigkeit und be-sonders, als die großen Kriege beendigt waren, der inneren Einrichtungdes Reiches eine unausgesetzte Sorgfalt, deren großer Umfang sich ausseinen Verordnungen oder Capitularien ersehen läßt. Die Capitularienkamen, wenn sie Angelegenheiten des Reiches und nicht bloß die Ver-waltung der königlichen Güter betrafen, zu Stande unter Mitwirkungder Reichstage oder berathenden Versammlungen geistlicher und weltlicherGroßen, deren gewöhnlich eine gleichzeitig mit dem Maifclde, und einezweite im Herbste jedes Jahres gehalten wurde. Die gesetzgeberischeThätigkeit Karls des Großen hat ihr Ziel nicht erreicht, da nur alsVorbereitung dazu die Auszeichnung des Volksrechts bei den Völkern,wo sie noch nicht geschehen war, stattgcfunden hat. Dabei wurden mitZustimmung der betreffenden Völker Abänderungen, wie sie sich alszweckmäßig erwiesen hatten, getroffen. In den die Verwaltung ange-henden Verordnungen zeigt sich eine steigende Strenge, die auf Beseiti-gung der Unordnung dringt. Als Wächter für den Vollzug der Ver-ordnungen wurden Sendboten durch die einzelnen Gaue oder Comitateumhergesandt, um die Thätigkeit der Grafen zu beaufsichtigen, besondereAufträge auszurichten, Beschwerden anzunehmen, Uebelstände entwedersogleich zu beseitigen oder Behufs der Abhülfe an den Herrscher zu berich-ten. Diese Sendboten, die früher nur in einzelnen Fällen nach besonderemBedürfniß ansgesandt worden waren, wurden jetzt jährlich paarweise,ein Bischof und ein Graf, für bestimmte Bezirke ernannt. In den Kreisseiner Regiernngssorgen zog Karl auch die Pflege wissenschaftlicher Bil-dung. Wie er überhaupt die auf Erziehung der Menschheit gerichteteThätigkeit förderte und daher auch auf den Eifer der Diener der Kirchebelebend einzuwirken suchte, war die Gründung und Erhaltung vonSchulen ein besonderer Gegenstand seiner Aufmerksamkeit. Vorzüglichgalt dieselbe der Bildung der im Ganzen noch weniger gefördertenGermanen, und wurde durch ihn die Erhaltung von Denkmälern ihrerDichtung, sowie die Ausbildung ihrer Sprache für die durch neue Ver-hältnisse erweiterten Bedürfnisse, betrieben.
8. Seiner Sorge für die Kirche ist die Erneuerung des Metro-politanspstems entsprungen. Durch den Verfall des Metropolitansystemsoder die Auflösung der Kirchenprovinzen unter den Merowingern wardie Aufsicht über die Bischöfe erloschen, und die für kirchliche Zucht er-sprießlichen Provincialsynoden hatten aufgehört. Wie schon zu Bonifa-facius' Zeit in Deutschland sich ein Anfang dieser Einrichtung zeigt,wurde sie in Deutschland durchgeführt und in den romanischen Reichs-theilen erneuert. Italien hatte seine fünf alten Metropolen Mediola-uum, Aquileja, Forum Julii, Ravenna und Rom. In Gallien wurdendie Metropolitansprengel in ihrer Uebereinstimmung mit den politischen