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Das Karolingische Reich.
Ganze zu bilden, behielt zwar sein eignes Recht, kam aber unter frän-kische Verwaltung. Sein Reich nach Südvsten zu sichern, fand nunKarl auch eine nachdrückliche Bekriegung der räuberischen Avaren nöthig.Eine Reihe von Feldzügen von 791 — 799, Anfangs durch ihn selbst,nachher, da wegen der Sachsen seine Anwesenheit im Norden nöthigwar, von Pipin geleitet, kosteten zwar viel Blut, führten aber nichtallein zur Vernichtung des avarischen Reiches, sondern zur völligen Auflö-sung des Volkes, das seitdem aus der Geschichte verschwindet. Schonim Jahre 796 drangen die Franken bis in die Gegenden zwischen Do-nau und Theiß, wo sie durch Erstürmung eines festen Lagers den zwei-hundertjährigen Raub aus Osten und Westen erbeuteten. Behauptet !konnten die Länder in dieser Ausdehnung nicht werden. Es wurden !nur die Gegenden zwischen Donau, Naab und Drau als Neichsland ein- igerichtet. Aber diese Kriege hatten, wie sie langen Greueln der Ver-heerung ein Ende gemacht, auch dem Christenthnm den Weg zu den einstvon den Avaren beherrschten Slaven geöffnet, und es ward vornehmlichAufgabe der Bischöfe von Salzburg, diesen Weg zu verfolgen.
5. Die ausgebreitete kriegerische Thätigkeit, mit welcher Karl dieGrenzen des Reiches erweitert und die der Einheit widerstrebendenBestandthcile gewaltsam in das Ganze fügt, hat ein Reich geschaffen,das dem untergegangenen weströmischen Reiche zu vergleichen ist. SeineHerrschaft umfaßt alle Länder jenes Reiches, vermindert um diejenigen,welche der Islam in Besitz genommen hat, um diejenigen, welche dasoströmische Reich noch als Neste von Justinians Eroberungen besitzt,um den Nest des westgothischen Reiches in Asturien und mn Britannien,vermehrt um die Gebiete aller germanischen Völker des Festlandes.
Fast alle romanischen und germanischen Gebiete sind in ihm eingeschlos-sen. Es ist damit ein Zeitraum des Schweifens und Manderns derVölker beendigt und ein großer Theil Enropa's ist, nachdem die großenBewegungen von Jahrhunderten Alles aus den Fugen gerissen haben,wieder in feste Formen gebracht. Wenn einst der oströmische Hof den ,
durch die Völkerwanderung eingetretenen regellosen Zustand als einen !
vorübergehenden betrachtet, wenn er während desselben auf die Gelegen-heit, durch Herstellung des römischen Reiches die Ordnung zurückzufüh-ren, gewartet und auch einen ansehnlichen Versuch dazu gemacht hatte,so lag es jetzt klar vor seinen Augen, daß das Amt, welches das seinigezu sein schien, auf einen Andern übergegangen war. Wie er im Osten lund Süden die Welt verwandelt sah, so war im Westen und Norden lzu einer neuen Ordnung der Dinge der Grund gelegt. Die Eroberun-gen Karls waren aber zugleich Eroberungen, welche die menschlicheCultur gemacht hatte. Dem wogenden Meere der Völkerwanderungwar nicht bloß ein beim Sturze des römischen Reiches überflutetes