Das fränkische Reich bis auf Karl den Großen. 157
den letzten Rest der moslemischen Herrschaft daselbst zu vernichten, ge-rufen. Die Belagerung von Narbo gelang jedoch dem zu diesem Zweckezurückgelafsencn Heere erst im Jahre 759, nachdem die Feldzüge gegenLongobarden und Sachsen schon gemacht waren. Die nun beginnendeBekämpfung des Herzogs Waifar von Aquitanien, der durch seinesVaters Hunold Rücktritt das Land erhalten, führte erst nach neunJahren, im Jahre 768, zum Ziele. Der Besiegte überlebte den Ausgangnicht, da er, in seinem Lande flüchtig umherirrend, erschlagen wurde.Der Sieger aber folgte ihm bald in den Tod, ohne den in diesemKriege abtrünnig gewordenen Thassilo bezwingen zu können. Thassilosuchte einen Rückhalt an dem Longobardenkönige, indem er sich mit des-sen Tochter Liutberga vermählte, und gab so einen Anlaß mehr zurVerwicklung zwischen dem fränkischen und longobardischen Reiche. WiePipin und sein Vater eine ausgcbreitete kriegerische Thätigkeit entwickelthatten, lag der Stoff zu einer solchen auch für den Nachfolger bereit.Die Mittel dazu hatten sich inzwischen durch die bereits geführten Kriegeverstärkt. Es waren jetzt nicht mehr die Dienstmannschaften, die derKönig in's Feld führte, sondern in den Kämpfen Austrasiens gegen daswestliche Reich hatte die ärmeren unter den freien Austrasiern die Aus-sicht auf Lohn in dem reicheren Westen zur Thcilnahme an den Kämpfengelockt. So war es für alle wehrhaften Freien erst Sitte gewordenund wurde allmälig Pflicht, denn Aufgebote zu folgen, oder es wurdeaus der Mahnung an die Dienstmannen ein allgemein verpflichtenderHeerbann. Damit hing die Verwandlung des Märzfeldes in ein Mai-feld zusammen. Statt daß man sonst im März die Dienstmannschaftzur Berathunz über den Feldzug hatte zusammeukommen lassen, kamjetzt der Heerbann im Mai zusammen, damit man die Versammelten,ohne sie sich vorher noch einmal trennen zu lassen, sogleich in das Feldführen konnte. Die neu gegründete fränkische Macht hätte cs erheischt,daß nur ein Nachfolger sie erbte. Doch das Erbrecht der Franken ver-pflichtete auch Pipin zu einer Theilung unter seine Söhne Karl undKarlmann. Er suchte die Folgen der Theilung zu mildern, indem erdas Reich nicht nach Maßgabe bestehender nationaler Unterschiede ineine östliche und eine westliche Hälfte, sondern, damit nur das Geschäftder Regierung getheilt scheine, in eine nördliche und südliche Hälfte zer-legte. Karlmann sollte Bajoarien, Alemannicn, Elsaß, Burgund, Septi-manien und den links von der Garumna gelegenen Theil Aquitaniens,Karl Austrasien mit Inbegriff der nach neuem Sprachgebrauch zu Ost-franken gerechneten ehemals thüringischen Länder, Neuftrien und denanderen größeren Theil von Aquitanien erhalten. Wie weit diese Vor-sorge ihren Zweck erreichen konnte, kam nicht zur Entscheidung, da Karl-mann, dem der südliche Reichstheil bestimmt war, wenige Jahre nach