Das fränkische Reich bis auf Karl den Großen. 149
gnng slavischer Stämme war dem fränkischen und dem longobardischenReiche gleich gefährlich geworden, und zur Zeit Dagoberts kämpftenschon Franken, von dem Longobardenkönige Ariowald, Agilulfs zweitemNachfolger, unterstützt, längere Zeit hindurch gegen die Slaven.
12. Während die Austrasier im Kampfe gegen die östlichen Ger-manen und gegen die Slaven unter ihren großen Majordomen dasSchwert, ohne es zu wissen, für das Chriftenthum führten, trat einEreigniß ein, welches noch geeigneter war, in ihren Führern das Be-wußtsein, daß sie zu Vorkämpfern des Chriftenthums berufen seien, znwecken. Die Araber, im Abendlande, weil sie aus Afrika kamen, auchMauren genannt, machten nach mehreren kleinern Einfällen unter Ab-derrhaman einen Angriff, der sie bis in die Gegend von Pictavis führte.Bisher hatte dieses Volk, dem im Südosten Europa's Constantinopelals unbezwingliches Bollwerk entgegengestanden, im Südwesten desWelttheils keinen nachdrücklichen Widerstand gefunden. Das Reich derWestgothen, die einst mit den Römern das Abendland gegen die Hunnengerettet, war vor ihnen hingesunken, und nun bedrohten sie das fränkischeReich, dessen innere Verhältnisse sich noch so wenig geordnet hatten,mit gleichem Umstürze. Da retteten die Franken unter dem Major DomusKarl in jener Gegend, wo einst Chlodwig über Alarich gesiegt, dasAbendland und das Chriftenthum in einer Schlacht, die an Bedeutsam-keit der Schlacht im Lande der Catalaunen zu vergleichen ist. DerSieger, der schon alleiniger Gebieter im Frankenreiche geworden warund den ersten Feldzug gegen die Friesen schon beendigt hatte, erhieltwegen der dort bewiesenen Tapferkeit den Namen des Hammers, Mar-tellus, gewann, indem er den Rückzug der gefürchteten Feinde erzwang,ein erhöhtes Ansehn, das seine Macht im Reiche befestigte, und erhobsich zu der Würde eines Beschützers der Christenheit, die sich bei seinenNachkommen noch deutlicher aussprechen sollte. Noch war indessen vondem fränkischen Helden seines Hauses Beruf nur auf sehr äußerlicheWeise erfaßt. Denn obgleich er der Netter der Kirche im Abendlandegeworden, schaltete er mit ihr auf willkührliche und verderbliche Weise.Nicht allein, daß er Güter der Kirche den Kriegern als Lehen gab, ererhob auch Krieger, um sie zu lohnen und ihre Forderungen zu befriedi-gen, auf bischöfliche Stühle und stellte sie als Aebte an die Spitze vonKlöstern, indem er auch so die Güter der Kirche zu weltlichen Zweckenmißbrauchte und kirchliche Würden auf Männer übertrug, die zur Füh-rung einer kirchlichen Negierung weder Fähigkeit noch Neigung hatten.Von den Wohlthaten, die unter der fränkischen Herrschaft den heidnischenGermanen durch ihren Eintritt in die Kirche zu Theil wurden, warendie Machthaber nur mittelbarer Weise die Urheber. Die Werkzeuge,deren sich Gott zu diesem Zwecke bediente, waren die aus weiter Ferne