14g Das fränkische Reich bis auf Karl den Großen.
sich nun nach Odilo's Tode des bajoarischen Herzogthums bemächtigteund Odilo's unmündigen Sohn Thassilo verdrängte. Doch neue Siegeder fränkischen Fürsten erzwangen die Auslieferung Landfricds und Gri-fo's, und Thassilo wurde unter Vormundschaft seiner Mutter Chiltrudeund unter fränkischer Hoheit Herzog in Bajoaricn. Während so dieNachkommen Arnulfs, indem sie sich befestigten, zugleich Erhalter desReiches wurden, zogen sie auch ein neues deutsches Volk in dessen Um-fang. Die Friesen, einst nur das Land zwischen den Mündungsarmendes Rheins bewohnend, hatten bei der Schwächung, welche die an denKüsten wohnenden Sachsen durch die Wanderungen nach Britannienerlitten, sich allmälig nach Osten längs der Küste bis zu der jütischenHalbinsel ausgedehnt, und nach Südwestcn griffen sie bis zur Schelde hinin das fränkische Gebiet hinein, indem Stämme, die einst den Frankensich angeschlossen, zu ihnen übergingen. Es war daher für die Frankenein Bedürfniß, ihre Unterwerfung zu versuchen. Pipin von Heristalbrachte in den Zeiten seiner unbeschränkten Macht das Land bis zumnördlichen Nheinarm unter fränkische Hoheit. Die Eroberung mußteaber von seinem Nachfolger wiederholt werden, weil der neue, an sichunsichere Besitz in dem Kampfe Karls gegen das neustrisch-burgundischeReich, das die Friesen gegen Austrasicn aufgewiegelt hatte, wieder ver-loren gegangen war. Nur sehr allmälig gelang seitdem die Befestigungdes Besitzes und seine Erweiterung nach Osten. Die Bewahrung ihreralten Religion und ihrer Freiheit war den Friesen eines und dasselbe, !und sie leisteten daher dem Christenthum und der fränkischen Herrschaft !den hartnäckigsten Widerstand, indem die Abwehr eines jeden dieser bei-den Dinge durch die Furcht vor dem anderen geboten war. NachdemNatbod, der westlich der nördlichen Nheinmündung als König geherrscht,mühsam unterworfen worden und endlich gestorben war, sammelte jen-seits Poppo die Feinde der Franken und des Christenthums zu neuemWiderstand und Angriff, und ein neuer Feldzug, in welchem Karl gleichDrusus von dör See her eindrang, war nöthig, um das früher Ge-wonnene zu sichern. Ganz außerhalb des Bereiches der fränkischenHerrschaft lagen jetzt von den Germanen des Festlandes nur noch dieSachsen. Wie mit ihnen, die das Reich von den nördlichen Slavcnschieden, fand mit den südlicheren Slaven, die an das thüringische und ^das bajoarische Gebiet stießen, ein unsicheres Verhältniß statt, wie es für !ein geordnetes Reich nncivilisirten Nachbarn gegenüber nicht anders seinkonnte. Die Macht der Avaren war geschwächt, da um dieselbe Zeit,wo im Süden die Bulgaren gegen sie aufstanden und ein neues Reichgründeten, im Nordwesten die Tschechen und Morawen sich von ihnenlosrissen. Sie hatten in den Zeiten ihrer größten Macht die Bajoarenan der Donau bis zum Enöflusse zurückgedrängt. Eine große Vereint-