Das ftankischc Reich bis auf Karl den Großen. 145
an die Stelle der Merowingischen zu setzen, indem er Siegberts SohnDagobert II. in ein Kloster Irlands bringen ließ, um für seinen SohnChildebert die Königswürde zn gewinnen. Der austrasische Adel em-pörte sich dagegen und rief im Jahre 656 Dagoberts I. älteren SohnChlodwig II., der im Jahre 638 in Neuflrien und Burgund seinein Va-ter gefolgt war, in'ö Land, wodurch Grimoald seinen Untergang fand.Es war in jedem der beiden fränkischen Reiche Parteiung und in jedemgab es eine Partei, welche ihre Gegner mit Hülfe aus dem andernReiche zu überwinden suchte. Deshalb entbrannte von jeder Seite derKampf um die Herrschaft in dem Nachbarrciche. Die Personen, vonwelchen und für welche dieser Kampf geführt wurde, waren aber dieMajordome. So wurden diese neuen Kriege zugleich Kriege überdie Frage, ob die Reiche getheilt bleiben oder sich vereinigen sollten.Wie sehr auch die nationale Verschiedenheit eine Trennung zu fordernschien, war doch damals die Herstellung der Einheit nöthig, wenn dasReich die Kraft, eine Menge germanischer Völker zn einigen, entwickelnsollte. Auch wäre eine nationale Trennung darum noch zu früh gewe-sen, weil zwischen den romanischen und den germanischen Vestandtheilennoch die Verschiedenheit zn groß war, als daß nicht eine staatliche Ab-sonderung den Fortschritten des Christenthums in dem germanischen Theilehinderlich geworden wäre. Der Sieg erfolgte zu Gunsten des austrasi-schcn Reiches, das vermöge seiner mittleren Stellung zwischen Romanenund den von christlicher Bildung theils kaum, theils gar nicht berührtenöstlichen Germanen die Bedingungen der Vermittlung in sich trug.Der Kampf brach aus zwischen dem westlichen Major Domus Ebroinund dem östlichen, dem Pipin, Ansegisels Sohne, der nach einem Orte in derGegend von Leodium den Namen von Hcristal führt. Die austrasischePartei unterlag Anfangs im Jahre 680 in der Schlacht bei Augusto-dunum, wo Pipins Vetter und Arnulfs Enkel Martin fiel. EbroinsNachfolger Waratto zwang die Anstrasicr sogar zur Unterwerfung.Doch während dessen Schwiegersohn und Nachfolger Berchar sich imwestlichen Reiche verhaßt machte, begann Pipin den Kampf von Neuemund gewann im Jahre 687 bei Tertriacum im Gebiete der Veroman-duer die Schlacht, die ihn zum Herrn des gesummten fränkischen Reichesmachte. Er führte als solcher den Namen Herzog und Fürst der Fran-ken, während in Austrasicn, wo nach Chlodwigs H. und seines ältestenSohnes Chlotar III. Alleinherrschaft seit dem Jahre 660 Chlodwigszweiter Sohn Childerich II. und darauf der aus Irland geholte Dago-bert II. den Königsnamen geführt hatten, gar kein König war, im west-lichen Reiche aber Chlodwigs dritter Sohn Theodorich III., nach ihmseine beiden Söhne Chlodwig Hl. und Childebert III., nach dem letztendessen Sohn Dagobert III. als Könige galten. Die errungene Macht
Kiesel, Weltgeschichte. II. ^ 0