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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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144 Das fränkische Reich bis auf Karl den Großen.

Aufsicht über die königlichen Güter oblag, und Verleihung und Einzie-hung von Lehen, die man, ehe sie erblich geworden, auch Beneficiennannte, durch seine Hand gingen, wurde er eine Mittelbehörde, die demVerschleudern auf der einen und dem Zugreifen auf der andern Seitezu wehren, die Aufgabe erhielt. Wie die Macht des Adels stieg, wurdeder Major Domus von demselben gewählt und führte bei der Unbedeu-tendheit der Könige die Regierung. Die Theilung des Reiches brachtenatürlich auch eine Vervielfältigung dieses Amtes mit sich, und in derZeit, wo die drei Reiche Austrasien, Neustrien und Burgund bestanden,hatte jedes seinen besonderen Major Domus, ohne daß die zeitweiligeVerbindung von zwei oder von allen drei Reichen hierin eine Verände-rung bewirkt hätte. In Austrasien fängt zu der Zeit, wo die Familien-kriege beendet sind, die neue Würde an, einen günstigen Einfluß zuäußern. Sie befestigt sich in einer Familie, entzieht erst Austrasien denEinflüssen der Regierungswechsel, erstreckt dann ihre Macht auch überdie übrigen Theile des Frankenreiches.

10. Den Anfang der Negierung Chlotars II. bezeichnet eineSynode zu Parisii im Jahre 615, deren Bestimmungen die Herstellungund Befestigung des Friedens, die Ausgleichung der durch die Kriegeangerichteten Schäden, und für die kirchlichen Angelegenheiten, namentlichfür die Besetzung der Bischofstellen, Rückkehr zu den kirchlichen Gesetzen !bezweckten. Es begann ein glücklicherer Zustand, der namentlich in leb-haftem Handel seine Wirkungen offenbarte. Indessen wurde die Ab-sonderung des germanischen Austrasiens von dem übrigen Reiche immerentschiedener, wie sich daran zeigt, daß Chlotar diesem Lande noch beiseinem Leben im Jahre 622 seinen Sohn Dagobert zum Könige gab,wodurch das gesammte Frankenreich in zwei Hälften, eine germanischeoder austrasische und eine romanische oder neustrisch-burgundische, getheiltwurde. Austrasien befand sich unter Dagobert wohl in Folge der weisen ^Negierung, welche der zum Major Domus ernannte Pipin in Verbin- !düng mit dem Bischöfe Arnulf führte. Als durch Chlotars Tod im jJahre 638 Dagobert Herr des ganzen Reiches mit Ausnahme des an !seinen Bruder Charibert abgetretenen Aquitaniens wurde, verlegte er sei-nen Sitz nach Parisii und verfiel dort zuchtlosem Leben. Die Austrasierverlangten, sich von Neuem abzusondern, und erhielten Siegbert III.,Dagoberts Sohn, zum Könige. Dagobert war unter den merowingischenKönigen der letzte gewesen, von dem man sagen kann, daß er regierte.Alle späteren find als Kinder zur Königswürde gelangt und in frühemAlter gestorben. Den Siegbert erzogen Arnulfs Sohn Ansegisel, dermit Pipins Tochter Begga vermählt war, und der Bischof Kunibertvon Cöln. Die Würde des Major Domus bekleidete nach Pipin seinSohn Grimoald. Er machte den Versuch, in Austrasien seine Familie