Das fränkische Reich bis auf Karl den Großen. 135
einen Steint, der auf die Gestaltung der abendländischen Verhältnissefortan den entscheidendsten Einfluß ausübt. Die Erben seiner Machtwurden seine Nachkommen, die nach Mcrowäus, einem seiner Vorfahren,Merowinger genannt werden. Die Uebertragung der königlichen Würdegeschah zwar germanischer Sitte gemäß durch Wahl, aber die Wahlfiel immer ans die Angehörigen des merowingischen Geschlechtes, währendGothen und Longobarden, die ihre Könige oft schon bei Lebzeiten ver-ließen, noch öfter deren Nachfolger aus anderen Familien wählten.Dabei wurde jedoch die Einheit des Reiches nicht bewahrt, sondern mangestand sämmtlichen Söhnen eines Königs ein Recht auf königliche Würdezu, woraus immer wiederkehrende Theilnngcn des Gebietes sowohl, alsdes der Familie gehörigen Besitzes hcrvorgingen. Diese Sitte wardeine Quelle innerer Kämpfe, die nicht bloß durch die Herrschbegierdeder mit ihren NeichSantheiten unzufriedenen Könige entstanden, sondernauch in einer Neigung der Frauken, sich in kleineren Kreisen nach Maß-gabe der den verschiedenen Gebieten cigenthümlichen Verhältnisse abzu-sondern, ihre Nahrung fanden. Hierdurch entstand, da nicht ein füralle Mal bestimmte Reiche sich absondertcn, vielmehr nach der Zahlder Berechtigten Zahl und Ausdehnung der Gebiete wechselte, und aufvorübergehende Alleinherrschaft neue Theilung folgte, eine solche Un-sicherheit der Verhältnisse, daß dadurch auch die sittliche Verschlimmerunggefördert wurde. Auf die Dauer widerstanden selbst kirchliche Einrich-tungen nicht den Wirkungen dieser Wirren. So löste sich in dem mero-wingischen Zeitalter die Metropolitanverfassung allmälig auf, indem diezu einem Metropolitanvcrbande gehörigen Bisthümer oft zu verschiedenenpolitischen Gebieten gehörten, und eine zunehmende Verweltlichung derBischöfe, deren manche um des Genusses der kirchlichen Güter willensich durch das Verbrechen des Kaufes oder der Simonie in die Würdedrängten/manche nach Erlangung der.Würde gewaffnet an den KriegenTheil nahmen, eine Neigung bewirkte, sich dem Verbände zu entziehen.Merkwürdig ist, daß das Reich alle diese Uebelstände überdauerte undnach Außen fortwährend zunahm, bis cs den eigentlichen Kern der Chri-stenheit bildete.
3. Die erste Theilung schien das fränkische Reich nach den Natio-nen zu trennen, indem sie die germanischen und romanischen Ländervon einander sonderte. Theodorich, Chlodwig's ältester Sohn, von einerheidnischen Frau geboren, erhielt die germanischen Bcstaudtheilc des Rei-ches, welche aus den ersten Eroberungen der Salier, sowie den ripua-rischen, ostfränkischen und alemannischen Gebieten bestanden. DiesemTheile des Reiches fiel insbesondere die Aufgabe zu, die außerhalb desBereichs der Christenheit lebenden Germanen an sich zu ziehen. DerKönig dieses Reiches hatte seinen Sitz zu Mcttiö, wo er dem ursprüng-