128 Die Araber bis zu Ende des achten Jahrhunderts und die Wcstgothcn.
Staate. Der neue Kalif verlegte den Sitz der Herrschaft von dem !verhaßten und unsicheren Damaskus nach Hira, von da nordwärts nach !Anbar am Euphrat und von da nach dem einige Meilen westwärtsneu erbauten Hadschemia. Er, sowie sein Nachfolger, Mohammed's .dritter Sohn Almansor (754 — 775), behauptete sich glücklich gegen Idiejenigen Angriffe, denen eine gewaltsam neu gegründete Dynastie aus-gesetzt ist, Angriffe von Seiten der überwundenen Partei, welche dieletzten Versuche macht, das Verlorene wiederzngewinnen oder doch dieMacht des Siegers zu brechen, und Angriffe von Seiten der Anhänger,die sich nach dem Gelingen der durch sie vollendeten Umwälzung zumRücktritt in eine untergeordnete Stellung verurtheilt und um den er-warteten Lohn ihrer Hülfe betrogen sehen. Der Sitz der Herrschaftwurde von Almansor noch weiter gegen Persien, welches die Grundlageder Abbasidischen Macht bildete, verlegt, indem derselbe die neue Haupt- !stadt Bagdad am Tigris in der Nähe von Ktcstphon und Sclcucia ^erbaute, die sich zum Theil ans Kosten benachbarter Städte bevölkerte, jAuf Almansor folgte sein Sohn Mohammed (775 — 785), auf die- ^sen erst sein ältester Sohn Musa al Hadi, Hann, als dieser bald auf An- ^stiften seiner Mutter aus dem Wege geräumt worden, sein zweiter Sohn >Harun ar Raschid (786 — 809). Unter Mohammed und Harun ent- !faltete sich in Bagdad alle jene Pracht, die sich aus einem durch Handel !erzeugten Wohlstände und aus einer durch das Beispiel eines despoti-schen Hofes genährten Genußliebe ergibt. Das Bedürfnis', geistige Kräftezur Verfeinerung des Genusses aufzubieten, breitete über das Leben desHofes und der Stadt den Schimmer einer künstlerischen und wissen-schaftlichen Bildung, aber es war der trügerische Schimmer, unter wel-chem sich, wie einst in der hellenistischen Welt geschehen war, Sitten-losigkeit verbirgt, um bald, wenn der erste Schwung höherer Thätigkeit ^ermattet ist, das Leben in dem Mittelpunkte des Reiches zu vernichten.Unter Mohammed und Harun war das Reich noch stark genug, dieoströmischcn Herrscher in die äußerste Bedrängnis' zu versetzen. Ara-bische Heere durchzogen ganz Kleinasien und die Kaiserin Irene ward !dem Kalifate zinsbar. Noch im Laufe des neunten Jahrhunderts aberbegann in dem Kalifate durch das Losreißen einzelner Provinzen unddie Begründung neuer Dynastieen in denselben eine Zersplitterung, dieum so schneller um sich griff, als sich die Herrschergelüste von Statthal-tern und Heerführern mit einem religiösen Sektengeiste verbanden, ver-möge dessen den Kalifen die Würde religiöser Oberhäupter des Islamsstreitig gemacht wurde.
12. Ehe diese Auflösung des Kalifates in Asien und Afrika begann,war Spanien schon von demselben abgelöst. Bereits unter den Oma-jaden hatte die Abhängigkeit Spaniens von den Kalifen mehr dem