Die Araber bis zu Ende des achten Jahrhunderts und die Wcstgothcu. 127
ihm streitig zu machen. Dem oströmischen Reiche gegenüber scheitertendie Angriffe Soleiman's an dem durch Leo den Jsaurer vertheidigtcnConstantinopel und spätere Angriffe hatten gleiches Schicksal. Im äußer-sten Westen war man an der Grenze des fränkischen Reiches angelangt,das eben damals zum Widerstande um so eher befähigt war, als dasentfernte Spanien bald seinen Zusammenhang mit dem Kalifate so sehrlockerte, daß nur die dort vorhandenen Kräfte zum Versuche weiterenVordringens aufgeboten werden konnten. Unter den folgenden Kalifenschwächte sich in immer wiederholten Thronslreitigkeitcn die Kraft, welchedas Reich zu einer nachdrücklichen Wirkung nach allen Seiten hätte be-fähigen müssen. Das Reich ging den Gefahren entgegen, denen einein rascher Folge über so große Strecken ausgedehnte Macht sich nicht ent-ziehen kann. Die Fortdauer der Spaltung, welche sich zur Zeit derErhebung der Omajaden gezeigt hatte, bewirkte auch deren Sturz. Zwarwar Ali's Nachkommenschaft auögestorben, aber die Partei, welche dieOmajaden als Eindringlinge ansah und ihnen den Charakter von Nach-folgern des Propheten und religiösen Oberhäuptern des Reiches nichtzugestand, hatte einen neuen Mittelpunkt in der Familie der Abbasidengefunden, die sich von Mohammed's Oheim Al Abbas herleitete undihre Ansprüche auf das Kalifat durch die Behauptung unterstützte, daßAli's Enkel die seinigen ihr abgetreten habe. Die Bewegung ging vonPersien aus und der Krieg, der unter der Negierung Mervan's II.,des vierzehnten Omajaden, ausbrach, entschied sich zu Gunsten der Abba-siden, deren Feldzeichen eine schwarze Fahne war, im Jahre 750. Schonbei Mervan's Thronbesteigung ward der Versuch gemacht, Al Abbas'Urenkel Mohammed in Korasan, welches Theile von Hprkanien, Par-tien, Baktrien und Aria begriff, zum Kalifen zu erheben. Noch wurdeder Aufstand verhindert. Als aber Mervan im Jahre 748 den SohnMohammed's, Ibrahim, um sich seiner zu entledigen, auf der Pilger-reise ergreifen ließ, loderte überall die Flamme der Empörung auf. Jb-rahim's Bruder Abul Abbas ward in Kufa zum Kalifen ausgerufenund sein Oheim Abdallah siegte über Mervan am Flusse Zab, woraufer Syrien eroberte. Der Kalif flüchtete nach Aegypten, wo er den Todfand. Die Familie wurde durch die Abbasiden mit einem Grimme ver-tilgt, wie ihn nur je die alte Stammesfeindschaft zur Zeit des arabi-schen Nomadenlebens gezeigt haben mochte. Am grausamsten ließ Ab-dallah die Angehörigen des Geschlechts in und um Damaskus würgen,wo er ihrer neunzig durch das trügerische Versprechen der Schonungversammelt hatte. Ein einziger Sprößling des Hauses, AbderrahmanBen Moawijah, Enkel des zehnten Omajadischen Kalifen Hescham, ent-kam über Aegypten und Barka zu den Berbern und legte in Spanienden Grund zu einem neuen arabischen, von dem Kalifate unabhängigen