Die Araber bis zu Ende des achten Jahrhunderts und die Wcsigothcn. 117
phcteu, zu welcher vor ihm Adam, Noah, Abraham und Moses gehörtenund in welcher Mohammed der letzte und größte sei. Von dem ent-scheidendsten Einflüsse auf daS Leben seiner Anhänger, der Moslemen,wurde der Islam durch die Lehren, daß Gott alle Handlungen undSchicksale der Menschen vorherbestimmt habe, und daß der Gläubigennach dem Tode ein Paradies voll der sinnlichsten Genüsse warte. AlsPflichten wurden tägliches Gebet, Fasten in einem bestimmten Monate,Almosengeben und eine im Leben mindestens einmalige Wallfahrt nachMekka erklärt, und als das verdienstlichste Werk die Theilnahme an demheiligen, für die Verbreitung deS neuen Glaubens zu führenden Kriegebezeichnet. Der Sittlichkeit des Lebens wurde die Grundlage entzogendurch Gestattung der im Hcidenthume schon von den meisten Völkernabgeschafften Vielweiberei.
4. Verbreitung der Lehre, wie Aufstellung ihrer einzelnen Sätze,geschah nur allmälig. Entscheidend wurde die Feindschaft, die gegenden Propheten als einen Neuerer Seitens der Korci'schiten hercinbrach.Er entging dem ihm zugedachten Tode nur durch Flucht ans Mekkanach Jatreb, der Stadt, welche seitdem die Stadt des Propheten, Me-dinat al Nabi oder schlechtweg Mcdinah hieß. Der Tag dieser Flucht,welche Hedschra heißt, war der 15. Juli 622 und von diesem Zeitpunktean rechnen die dem Islam angehörigen Völker die Zahl ihrer Jahre,welche Mondjahre von 354 Tagen sind. In Medinah gewann er An-hang, die neue erweiterte Neligionsgenossenschaft zog als ein Kriegs-hanfe gegen die Feinde des Propheten aus und schwoll, theils durchfreiwilligen, theils durch erzwungenen Beitritt vermehrt, zu einemStrome an, der in zehn Jahren ganz Arabien überflutete. Als Mo-hammed im Jahre 632 starb, war eine Einigung aller arabischenStämme in religiöser und politischer Hinsicht erfolgt. Er selbst hatteim Gefühle des Sieges schon im Jahre 628 an Heraklius und KcsraParviz Aufforderungen erlassen, seinen Glauben anzunehmen. Hiermitwar der Welt verkündet, daß die Bewegung die Grenzen Arabiensüberschreiten würde. Die Leiter der Bewegung konnten auch die be-werkstelligte Einigung des Volkes nur dann erhalten, wenn sie dessenKampfeslust, die früher in den Streitigkeiten der Stämme ihre Nahrunggefunden, gegen fremde Völker richteten und in ferneren Kämpfen dieneuen Ideen, von denen das Volk getrieben wnrde, wirken ließen.Alle Antriebe, welche ein Volk auf die Bahn der Eroberung drängenkönnen, wurden verstärkt durch die Meinung, daß es sich zugleich umdie Erfüllung einer religiösen Pflicht handle. Die Eroberungen erhieltenDauer und Ausdehnung, indem nicht bloß Beute ihr Ziel war, sonderndie Uebertragung eines neuen Gesetzes des Lebens in fremde Länderbeabsichtigt wurde. Die Heere ergossen sich nicht bloß in die Länder,