Das römische Reich unter den Imperatoren. 83
Gegend, wo einst die Quadcn gesessen, finden sich die Longobarden, die miteinem zu Marbods Zeit an der unteren Elbe seßhaften Volke zwargleichnamig sind, aber doch, wie es bei dem Vorkommen gleicher Völker-namen in verschiedenen Gegenden und Zeiten häufig ist, nur aus einerVerbindung ausgewanderter Longobarden des Nordens mit fremden Be-standtheilen herznleiten sind. Ostwärts von ihnen im alten Dacienbreiten sich die Gepiden aus, unter deren Herrschaft die seit Jahrhun-derten über das Karpathengebirge eingewanderten Sarmaten stehen.In Pannonien befestigen sich die Ostgothen, von drei Brüdern, Wala-mir, Widemir und Theodemir, aus dem Geschleißte der Amaler, demauch Hermanarich angehört hatte, gemeinschaftlich beherrscht. Westlichvon den Longobarden, die Donau aufwärts, finden sich die vier Stämmeder Heruler, Rugier, Turcilinger und Sciren ohne feste Verhältnisse,die Reste der alten Grenzbefestigung, welche der hunnische Sturm übriggelassen, allmälig zerstörend und die nördlichen Theile von Noricumund Nhätien besetzend. Das Schicksal der Grenzländer unter ihnen wargleich demjenigen, welches Britannien von den Sachsen erlitt. WeiterWestlich bis zu den Alemannen hin erscheint der einst viele Völker um-fassende Name der Sueven als Name eines besonderen Volkes. DieseSueven dringen gleich den Alemannen auch im Süden der Donau vor.An der Donau, so weit sie das alte Germanien begrenzt, müssen sichschon damals die Verhältnisse entwickelt haben, durch welche die nach-maligen beiden Stämme des südlichen Deutschlands, die Bajoaren oderBaiern und die Alemannen oder Schwaben sich bildeten, deren Grenzeim Süden der Donau der Licus oder Lech war. Die ersteren sind ausden vier zwischen Longobarden und Sueven wohnenden oder schweifendenVölkern unter Mitwirkung fremder, vielleicht markomannischer Gefolg-schaften, und die letzter» aus einer Verbindung der Alemannen undSueven, deren beiderseitige Namen zur Bezeichnung des Gesammtvolkeögebraucht wurden, hervorgegangen. Die nördlichen Nachbarn der Ale-mannen am Rhein waren noch vor Kurzem die Burgunder gewesen.Sie hatten schon vor dem hunnischen Sturme sich in der Westhälfte deroberrheinischen Ebene südwärts in das alemannische Gebiet hineinge-drängt. Seit der Zeit Attila's, der bei seinem Rheinübergange ihrenKönig Gundikar vernichtete, ziehen sie sich insgesammt gegen Süden undverbreiten sich, da Rom ihnen nicht abwehrend begegnen kann, in denGegenden des Juragebirgeö und an der untern Rhone bis zur Druen-tia, so daß sie im Westen bis zum oberen Liger, im Osten bis in diewestlichen Alpenthäler reichen und im Nordoften in dem flacheren Theiledes helvetischen Landes Nachbarn der Alemannen werden. Seitdemdehnen sich die Alemannen über den nördlichen Theil der Vogesen hin-über auch in die Gegenden an der oberen Mosel aus. Die Alemannen
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