DaS römische Reich unter den Imperatoren. 87
lassung zu vermögen, theils sie in das Heer aufzunehmen und sie alsSoldtrnppen zur ferneren Bekämpfung ihrer Landsleute zu verwenden.Sehr entscheidend wirkte im Jahre 381 die freiwillige Unterwerfungdes Athanarich und die ehrenvolle Aufnahme, die er bei Theodosiusfand. Das Gesammtergebniß war die Bildung eines gothischen Heeresin römischem Dienste und die erneuerte Anfiedlung der übrigen Gothenin Thracien und Mösien, wo sie als ein fremdes, nach eigenem Her-kommen lebendes und unter sich verbundenes Volk eine Gefahr für dasReich blieben. So war vorläufig die Strömung der gegen das römischeReich gerichteten Wanderungen, welche das Vordringen der Hunnenveranlaßt hatte, gehemmt. Oftgothen, die in Pannonien cingebrochen,waren schon im Jahre 380 daselbst von Gratianus zur Ruhe gebrachtworden; neue Schaaren derselben, die im Jahre 386 ihren Weg überdie Donau genommen hatten, wurden geschlagen und die übrig Geblie-benen in Phrpgien angefiedelt. Theodosius' übrige kriegerische Thätig-keit galt der Bekämpfung angemaßter Herrschaft im westlichen Reiche.Gratianuö, der in Treviri durch zu große Hingebung an müßiges LebenAchtung und Zutrauen der Soldaten verloren hatte, unterlag einem ausBritannien herübergekommenen Empörer Marimus, indem er vonseinem Heere verlassen eilends gegen Italien floh und bei Lugdunumdurch Meuchelmord fiel. Theodosius mußte den Marimus als Herrnder gallischen Präfectur anerkennen und bedung nur für Valentinianusden ungestörten Besitz der italischen. Als aber Marimus im Jahre387 auch nach dieser die Hand ausstreckte und unerwartet in Medio-lanum erschien, suchten Valentinianus und Justina, die noch eben fliehendAquileja erreicht hatten, Schutz bei Theodosius und kamen zu Schiffeaus einem Hafen in der Nachbarschaft Aquileja's nach Thefsalonice.Theodosius, dessen erste Gemahlin gestorben war, vermählte sich mitValentinianus' Schwester Galla und unternahm den Angriff auf Mari-mus, um seinen Schwager in die Herrschaft des gesammten Westenseinzusetzen. Er ging über die Ostalpen und schlug mit seinem gothischenHeere das alemannisch-fränkische Heer seines Gegners bei Aquileja,worauf er denselben in seine Gewalt bekam und hinrichten ließ. Einerneuen Empörung erlag aber Valentinianus. Sein Feldherr Arbogastes,ein Franke, übte einen Einfluß aus, von dem sich der Herrscher befreienzu müssen glaubte. Als er nun im Jahre 392 dessen Absetzung aus-sprach, wurde er zu Vienna in Gallien ermordet und der Franke, demungeachtet seiner Macht der Gedanke, sich selbst mit Purpur und Dia-dem zu schmücken, fern gelegen zu haben scheint, erhob einen HofbeamtenEugenius zum Augustus, um unter dessen Namen die Herrschaft zuführen. Noch einmal siegten, nachdem sich Theodosius gehörig gerüstet,im Jahre 394 bei Aquileja gothische Truppen über Alemannen und
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