Das römische Reich unter de» Imperatoren.
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Ordnung erschwerte. Noch größer war die Thorheit, mit der man dieGothen, als sie sich in Thracien niedergelassen, durch Mangel zu drän-gen suchte, daß sie alle ihre Habe den Römern überließen. Man brachtesie so weit, daß sic für Lebensmittel ihr Besitzthum mit Einschluß derSklaven opferten und Viele schon ihre Kinder als Sklaven hinzugebcnanfingen. Während sie so zur Verzweiflung getrieben wurden, entstandunter ihnen noch in dem Jahre ihrer Einwanderung bei Marcianopeleine Empörung bei Gelegenheit eines Gastmahles, das der Comes Lu-picinus ihren Führern Fritigern und Alavivns gab und das ihnen deneigenen Mangel recht fühlbar machte." Als der Tumult begann, ließLnpicinus das Gefolge der Führer nicdcrmachen und diese eilten raschaus der Stadt zu den Ihrigen. Nun verbreitete sich der Aufstand überalle in Thracien angesiedeltcn Gothen, eine Schaar ihrer Landsleute,die in römischem Dienste stand, ging zu ihnen über und ein Theil derOstgothcn, der den Hunnen ausweichend ohne Erlaubnis' über die Donaugekommen war, bildete eine fernere Verstärkung. So waren die GothenHerren in Thracien und entschädigten sich gewaltsam für alle erlitteneEntbehrung. Auf die Kunde von diesen Vorfällen eilte Valens imJahre 378 aus Antiochien, wo ihn Verhandlungen mit den Persernüber Armenien festgehalten hatten, herbei und das Volk von Constan-tinopel verlangte in der Rennbahn mit lautem Geschrei Befreiung desLandes von den Feinden, die er eingelassen. So vorwärts getriebenund durch einen kleinen vorläufigen Erfolg ermuthigt, rückte Valens,ohne die von Gratianus zu Hülfe gesandten pannonischcn Legionen ab-zuwarten, den Gothen entgegen. Er erlitt in der Schlacht bei Ha-drianopel eine Niederlage und fand nach derselben den Tod in denFlammen eines Hauses, in das er sich gerettet. Die Niederlage beiHadrianopel erschreckte das alternde Reich in gleichem Grade, wie diebei Cannä mit dem jugendlichen gethan, ohne daß diesmal wie da-mals dem Unglück eine völlige Erholung folgte. Die Gothen verbrei-teten sich jetzt plündernd über das ganze Land zwischen dem Pontusund dem adriatischen Meere und nur die festen Städte, mit deren Be-lagerung sie sich ebensowenig aufhalten wollten, als sie dazu geschicktwaren, gewährten Sicherheit. Nachdem das Reich so viele Barbarenabgewchrt oder durch Aufnahme in seine Heere zu einstweiligen Ver-theidigern seiner Grenzen gemacht hatte, war zum ersten Male einTheil desselben in der Gewalt eines fremden Volkes, das dessen Ansehnnicht anerkannte und innerhalb der Grenzen dessen Feind blieb.
35. Durch den Nachfolger des Valens erlangte jedoch das Reichwenigstens einen Aufschub der jetzt deutlich genug drohenden Zertrümme-rung und inzwischen gestalteten sich die Verhältnisse so, daß gerade derTheil des Reiches, wo die römische Herrschaft durch ein eingedrungenes
Kirsel, Weltgeschichte. II. 5