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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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64 Das römische Reich unter den Imperatoren.

brachten in die nordische Völkerwelt eine Bewegung, vor welcher baldalle Grenzvertheidigung vergeblich wurde. Am frühesten trat dieseWendung der Dinge in der östlichen Neichshälfte an der Niederdonauein, welche dem Schauplatze jener Ereignisse näher lag. Die Gothen,die seit Constantinus' Zeit theils friedliche Nachbarn des Reiches, theilsfriedliche Einsassen von Mögen gewesen waren, hatten zu Valens' Zeitunter König Hermanarich ein Reich, das sich von den baltischen bis zuden politischen Gestaden erstreckte. Die Verbindung kann in demselbennur eine äußerst lose gewesen sein, da jedes neu unterworfene Volkmit dem Reiche nur dadurch verknüpft blieb, daß seine Gefolgschaftensich mit denen der übrigen Völker zu neuen Beute- und Eroberungs-zügen vereinigten. Diese Züge müssen in der letzten Zeit nordwärtsgerichtet gewesen sein, wie sich aus der Ruhe an der Niederdonau zuergeben scheint. Die eigentlichen Gothen, die den Kern des gothischenReiches bilden, erscheinen in zwei Stämme, die Westgothen oder The-revingen und die Ostgothen oder Greuthungen, gesondert, von denendie einen im Norden der Niederdonau, die andern im Norden desPontus wohnten. Die Westgothen waren es, von welchen der Anfangder Zertrümmerung des römischen Reiches gemacht wurde. Ein Krieg,welchen sie im Jahre 367 durch Unterstützung des in Constantinopelgegen Valens aufgetretenen Empörers Prokopius veranlaßten, endigteschon im Jahre 369 auf Bitten ihres Führers Athanarich. Sechs Jahrespäter aber traf die zum gothischen Reiche gehörigen Völker ein Stoßvon Osten, der ihr Reich zerstörte und das der römischen Grenze zu-nächst wohnende in die römischen Provinzen trieb. Ein der mongolischenNace angehöriges Volk, die Hunnen, war nach Nomadenweise aus denSteppen des inneren Asiens gegen Westen gezogen und riß bei seinemVordringen, indem es die auf seinem Wege liegenden Völker unterwarf,deren kriegsfähige Mannschaft mit sich fort. So stieß es in der Nähedes kaspischen Meeres auf die zur kaukasischen Race gehörigen Alanenund die Bewegung theilte sich den Ostgothen und Westgothen mit.Während die Ostgothen großen Theiles zum Anschlüsse an ihren Zuggenöthigt wurden, stürzten die Weftgothen in äußerster Hast gegen dieDonau, um sich die Erlaubniß zum Uebergange und zur Niederlassungin den nächsten Provinzen zu erbitten, wofür sie die Vertheidigung derGrenze übernehmen wollten. So gefährlich das Eingehen auf ihre Bitte,war auch deren Verweigerung. Valens wies ihnen Wohnsitze in Thra-kien an und so kam im Jahre 376 eine Menschenmenge von einerMillion, worunter der fünfte Theil streitbare Männer, über die Donau.Die befohlene Vorsichtsmaßregel, sie nur unbewaffnet das römische Gebietbetreten zu lassen, blieb unausgeführt, weil viele der Beamten bestochenwurden und das Getümmel bei dem Uebergange die Handhabung der