62 Das römische Reich unter den Imperatoren.
tem Frieden fort, sich in germanische zu verwandeln. Auch ward Ju-lianus von dem Schauplatze seines Ruhmes bald abgerufen. Die Fort-schritte seiner Waffen erweckten bei Constantius Neid und Furcht unddieser forderte im Jahre 360 die Abscndung eines Theiles seinerTruppen nach dem Morgenlande. Diese Forderung erwiederten seineTruppen in dem Standlager zu Lutetia damit, daß sie ihn gewaltsamzum Auguftus erhoben. Noch zögerte Julianus mit dem Kriege und botdem Constantius einen Vergleich an, wie dieser aber darauf nicht ein-ging, brach er nach dem Osten auf. Da erhielt er in Naiffus dieNachricht, daß jener auf dem Marsche von der persischen Grenze herin Mieten gestorben sei. So gelangte er im Jahre 361 ohne Kriegin Besitz der Herrschaft.
33. Einfach und thätig trat Julianus in einen starken Gegensatz zuseinem Vorgänger. Seine Negierung ist aber bezeichnet durch den letztenvergeblichen Versuch der Staatsgewalt, das Christenthum aus seinerStellung zu verdrängen. Ein eifriger Freund der griechischen Litera-tur und ein Zögling der neuplatonischen Philosophie, war er demChristenthum früh abtrünnig geworden und lieh seine Herrschermachtden von der neuplatonischen Philosophie ausgehenden Versuchen, dasHeidenthum neu zu beleben. Haß gegen Constantius und der eineZeitlang ertragene Zwang, Anhänglichkeit gegen das Christenthum zuheucheln, hatten seine Bitterkeit gegen die Religion gesteigert, in welcherschon frühere Herrscher den Grund für den Verfall des Reiches gesucht.Zu einer unmittelbaren und gewaltsamen Verfolgung kam es indessennicht, wenn man die Ausbrüche abrechnet, die sich der neu ermuthigteheidnische Pöbel ungestraft gegen die Christen erlaubte. Desto mehr wirkteJulianns mittelbar dem Christenthum entgegen. Er schloß die Christen,die er spottend Galiläer nannte, von den Staatsämteru aus und ver-bot ihren Gelehrten den Unterricht in der Literatur. Diese Ungunstbrachte Viele zum Abfall, die unter den früheren Negierungen äußer-licher Rücksichten wegen das Christenthum dem Namen nach angenom-men hatten. Zu seinen Maßregeln gegen die Christen gehörte auchseine Bevorzugung der Inden. Mittelst ihrer gedachte er dem Christen-thum eine tiefe Wunde zu schlagen, wenn er sie den Tempel in Jeru-salem wieder aufbauen ließe, womit die göttliche Weissagung, die sichauf die bleibende Zerstörung desselben bezog, zunichte gemacht werdensollte. Aber Erdbeben und ans dem Boden hervorbrechende Flammenvereitelten das Unternehmen. Dieses Mißlingen ist zugleich das Sinn-bild der Fruchtlosigkeit seiner gesammten gegen das Christenthum gerich-teten Bestrebungen. Mit seinem Tode sank der von ihm künstlichausgedachte und mit großer Willenskraft begonnene Neubau der heid-nischen Welt in Trümmer. Er kam im Jahre 363 in einem Perser-