58 Das römische Reich unter den Imperatoren.
Schon in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts faßte das Chri-stenthum Wurzel unter Armeniern, Persern, Aethiopiern und Gothen,und drang in dem nächsten Jahrhundert auch nach Nordwesten überdie Grenzen des Reiches, indem cs sich in Hibernia oder Irlandanpflanzte. Von den Einrichtungen der Kirche gewann unter demSchutze der von Constantinus begründeten Ordnung vorzüglich die Ver-bindung mehrerer bischöflichen Sprengel unter einem Metropoliten oderErzbischöfe ihre Ausbildung. Das Bedürfnis; fortdauernder Einheit hattevon den ersten Zeiten an die Bischöfe solcher Sprengel, von welchenaus die Kirche sich in benachbarte Gegenden verbreitet hatte, mit derenBischöfen in einer Verbindung erhalten, die jenen Bischöfen der älterenSprengel ein höheres Ansehen gewährte und ihre Wohnsitze zu kirch-lichen Hauptstädten oder Metropolen machte. Diese Einrichtung be-gründete die kirchlichen Zusammenkünfte, Synoden oder Concilien, mit-telst deren die Einheit dargestellt und festgehalten, Spaltungen abgewehrt,Irrlehren erstickt oder verurtheilt wurden. Die unter Constantinus demReiche gegebene Gliederung brachte die schon bestehende Metropolitan-verfassung in eine Verbindung mit der Provincialeintheilung, indem oft,in einigen Provinzen, wie in Gallien, durchgängig, die Hauptstadt derProvinz auch Metropole ward und die Provinz selbst an Ausdehnungden zu einem Metropolitanverbande vereinigten bischöflichen Sprengelnoder Diöcescn entsprach.
30. Es blieb aber, nachdem das Christenthum die Anerkennung undden Schutz der Staatsgewalt erhalten, noch ein Kampf gegen dasHeidenthum übrig, indem dieses sich mit den Waffen seiner Wissenschaftgegen dasselbe erhob. Ein mächtigerer Feind als Unwissenheit, Aber-glaube und Rohheit des Volkes ihm gewesen, erwuchs ihm in dergriechischen Philosophie, als diese den letzten Versuch machte, der ver-änderten Denkweise der Zeit zu entsprechen. Seitdem um die Zeit desAugustus die skeptische Philosophie der Akademie verstummt war, hattesich die Philosophie durch ein Zurückgehen auf Plato zu verjüngengesucht. Daraus war, indem Bekanntschaft mit der jüdischen Religion,sowie mit den heidnischen Religionen des Morgenlandes dabei mitwirkte,und man auch den Hauptlehren anderer griechischen Philosophen eineStelle in dem neuen Systeme geben wollte, ein Synkretismus oderEklekticismus entstanden, wie er außerhalb der Philosophie, auf demGebiete des Götterdienstes, in den hellenistischen Neichen und dem impe-ratorischen Rom vorkömmt. Gegenüber der Hinweisung christlicherApologeten auf die in der heidnischen Philosophie herrschenden Wider-sprüche, hoffte man Nachweisen zu können, daß in allen ihren LehrenWahrheit sei, daß diese sich gegenseitig ergänzten. Nachdem derartigeVersuche lange Zeit mehr durch die zu Grunde liegende Gesinnung als