Das römische Reich unter den Imperatoren.
47
die Cäsarwürde, nachdem sie in eine zweite Augustnswürde verwandeltworden war, für jede der beiden Neichshälften von Neuem einführte,und jedem der beiden Casaren einen abgesonderten Theil zur Verwaltungübergab. Dabei wurde jedoch der Antheil desjenigen Casars, der unterdem Auguftus des Ostens zu stehen hatte, nicht bloß von der griechischen,sondern zum Theil auch von der lateinischen Neichshälfte abgesondert,wodurch die östliche Hälfte, indem sie sich über die nationalen Grenzenhinaus erweiterte, einen dem Vorrange ihres Augustus entsprechendenUmfang erhielt. So wurden im Jahre 292 der rohe Galerius für denOsten und der gebildete Constantius, später mit dem Beinamen Chlorusgenannt, zu Cäsaren erhoben und mit den beiden Augusten durch Ver-mählung mit ihren Töchtern, Valeria und Theodora, wobei sie ihrefrüheren Frauen verstoßen mußten, näher verknüpft. Ihre Neichs-antheile wurden der illprische und der gallische. Von dem gallischen istgewiß, daß er Gallien, Spanien und Britannien umfaßte. Der illy-rischc begriff Jllprien und einen Theil der Donauprovinzen oder alle,vielleicht auch Makedonien, Thracicn und Griechenland. Es ist nichtunwahrscheinlich, daß im Osten überhaupt nicht so wie im Westen eineTheiluug der Länder zwischen dem Augustus und dem Cäsar durchge-sührt wurde, sondern der Augustus, der das eigentliche Haupt des gan-zen Reiches bildete, den Cäsar nach Bedürfniß und Gutdünken verwen-dete, wie denn auch in der Folge, nachdem die Personen gewechselthatten, das Verhältniß zwischen beiden nicht als ein fest bestimmtes er-scheint. Die Städte, wo die beiden Cäsaren, die meist im Felde be-schäftigt waren, zur Zeit der Waffenruhe wohnten, sind Sirmium amSavus und Treviri an der Mosel. Trug diese neue Verfassung auchfür die Folge den Keim zu inneren Kämpfen in sich, so hielt Diocletia-nus durch das Ucbergewicht seines Ansehens die Einheit soweit auf-recht, daß der von der Theilung erwartete Gewinn erreicht schien.Im Innern gelang dem Marimianus, als er noch Cäsar war, imJahre 285 die Unterdrückung eines durch Härte der Verwaltung inGallien hervorgerufenen Aufstandes der Bauern, Bagauden genannt,dem Diocletianus im Jahre 296 die Besiegung eines in Aegypten auf-getretenen Empörers Achilles, dem Constantius in demselben Jahre dieUnterwerfung Britanniens, wo sich im Jahre 287 Carausius als Herr-scher aufgeworfen und diesen im Jahre 293 Allectus verdrängt hatte.Ebenso wurden die Grenzen, am Tigris durch Galerius, am Rheinedurch Constantius, glücklich vertheidigt. Im Osten wurden sogar bedeu-tende Landstriche jenseits des Tigris gewonnen. Doch zeigte sich imWesten ungeachtet der erfolgreichen Kämpfe die Macht, mit welcher dieFeinde herandrangen, im Wachsen. Der Kampf mit den Alemannenhatte schon ebenso, wie der mit den Franken, seinen Schauplatz diesseits