Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

46 Das römische Reich unter den Imperatoren.

folg gegen die Perser gestritten und Ktesiphon genommen, wie es hieß,vom Blitze getroffen. Sein Sohn Numerianus, der ihn begleitet hatte,wurde im Jahre 284 auf der Rückkehr von dem Befehlshaber der Prä-torianer, Arrius Aper, in der Nähe des Hellesponts ermordet und die-sen stieß der Dalmatier Diocletianus, den die Stimme des Heeres zurNachfolge berief, mit eigner Hand nieder. Nun hatten Diocletianusund der von Carns bei Beginn des persischen Feldzuges im Westenzurückgelafscne Carinus, ein lasterhafter Mensch, um die Herrschaft zukämpfen. Beide begegneten sich im Jahre 285 bei Margus an derMündung des gleichnamigen Flusses und, obgleich der Sieg dem Carinuszufiel, blieb doch, da derselbe gleich darauf ein Opfer von Privathaßwurde, die Herrschaft dem Diocletianus.

24. Jetzt ging die Zeit der Soldatenherrschaft zu Ende, indemeine neue Einrichtung des Reiches, die von Diocletianus ausging, dieHerrscher in eine gesichertere Stellung versetzte und die Bestimmungüber die Nachfolge den Soldaten entzog. Als das natnrgemäßesteMittel gegen die Erschütterungen, welche das Losreißen einzelner Theiledes Reiches mit sich brachte, erschien eine Maßregel, welche das durchdie Neigung einzelner Theile des Reiches immer von Neuem Geforderteendlich anerkannte und feststellte. Bei einer zu diesem Zwecke angeord-neten Theilung der Verwaltung glaubte Diocletian die Neichseinheitfesthalten zu können durch zweckmäßige Gestaltung des Verhältnissesunter den Beherrschern der einzelnen Theile. Wenn der Plan gelang,war durch Befriedigung nationaler Absonderungsgelüste den widerrecht-lichen Versuchen auf die Herrschaft die Hauptstütze entzogen und sowohldie Unterdrückung der noch vorkommenden Empörungen als die Ver-theidigung der fortwährend in ihrer ganzen Länge bedrohten Rhein-,Donau- und Tigrisgrenzen erleichtert. Zu dem Ende wurde das Reichim Jahre 286 in ähnlicher Weise, wie zwischen Octavianus und Anto-nius geschehen war, in eine griechische und eine lateinische Hälfte ge-checkt, deren Grenze in Europa dem illyrischen Flusse Drinus folgteund in Afrika im Westen des cyrenäischen Gebietes lag. Von diesenTheilen nahm Diocletianus, indem er Nikomedia zu seinem Wohnortemachte, den griechischen unter seine Verwaltung und übergab den latei-nischen dem schon vorher zum Cäsar erhobenen rohen, aber kriegstüch-tigen Illyrier Marimianus, der jetzt die Würde eines Augustus erhieltund seinen Wohnsitz in Mediolanum aufschlagen mußte, damit nicht derBesitz der alten Welthauptstadt einen Vorrang begründete, damit umso leichter der Senat von der Reichsregierung ausgeschlossen würde,und damit der Sitz der Herrschaft im Westen den bedrohten Nordgren-zen näher wäre. Da der Erfolg diese Maßregel zu rechtfertigen schien,wurde der Grundsatz der Theilung in der Art ausgebildet, daß man