Das römische Reich unter den Imperatoren. 43
die Donau, eroberte in Thracien die große Stadt Philippopolis, eineGründung des makedonischen Philippus, und erkämpfte, nachdem esvon Decius schon über den Hämus zurückgetrieben war, im Jahre251 in Möslen einen Sieg über ihn, wobei er selber umkam. Nun fieldas Reich auseinander. Das Heer in Möfien erhob den FeldherrnTrebonianus Gallus, der seinen Sohn Volufiauus zum Cäsar aunahm.In Nom war des Decius Sohn Hostilianus ausgestellt und nach seinembaldigen Tode trat der Befehlshaber der illyrischen Legionen, Aemilia-nus, nachdem er neue, bis in seine Provinz eingedrungene Schwärmevon Gothen besiegt hatte, gegen Trebonianus auf und dieser starb, als erihm entgegenrückte, von der Hand seiner eigenen Soldaten bei Spole-tum im Jahre 253. Inzwischen war ihm zu Hülfe aus Gallien Valc-rianus aufgebrochen, bei dessen Annäherung Aemilianus das Schicksaldes Trebonianus erlitt. Unter Valerianus (253 — 260) strömten vonallen Seiten die Feinde in das Reich. Die Perser drangen bis nachAntiochia vor und als Valerianus, der sie zurückgedrängt, bei ihnen inGefangenschaft gerathen war, überschwemmten sie nicht bloß Syrienvon neuem, sondern suchten auch Kappadocien und Cilicien heim. DieGothen wiederholten nicht bloß ihre Uebergänge über die Donau undkamen bis vor die Mauern von Thessalonice, sondern erschienen zurSee, indem sie von den politischen Gestaden ausliefen, im ägäischenMeere und in Kleinasien, belagerten Kassandrea, erschreckten Kreta undCypern, und begegneten fast den Persern. Die Alemannen durchbrachendie Befestigungslinie, überschritten Rhein und Donau und kamen überdie Alpen nach dem transpadanischen Gallien, ja Schaaren von ihnenstreiften durch Gallien bis nach Spanien. Am Niederrhein zeigt sichein neuer Völkerbund, der Schaaren auf Schaaren in das römische Ge-biet sendet. Aus den Ländern im Osten des Niederrheins fangen dieFranken an, unwiderstehlich in Gallien einzudringen, und das Reich er-wehrt sich ihrer nur durch Gestattung von Niederlassungen und nimmtSchaaren der Feinde in seine Heere auf, um mit ihrer Hülfe ihre nach-rückenden Stammgenossen zu bekämpfen. Dieses neu auftretende Volkbesteht nun nicht bloß ans den zu gemeinsamen Unternehmungen vereinig-ten und außer der Heimath zu einem neuen Ganzen erwachsenen Gefolg-schaften, sondern es findet sich hier eine Verbindung der eigentlichenVölker, auf deren Bildung freilich auch der Plan einer durch Gefolg-schaften zu betreibenden Eroberung überrheinischer Gegenden Einflußgehabt haben kann, mit dem Namen der Franken bezeichnet. Sie um-faßt alle Völker an der Ostseite des Niederrheins bis zu den Chattenund Cheruskern, den Chauken und Friesen.
22. Alle diese Verhältnisse dauerten auch unter Valerianus' Sohnund Nachfolger fort, dem nicht schlechten, aber weichlichen und mitten in der