42 Das römische Reich unter den Imperatoren.
Herrscher in Gordianus, einem Tochtersohn des älteren der beiden andernGordiane, ausgestellt. Nun erschien Mariminns, der gegen Germanenund Sarmaten gekämpft hatte, im Jahre 238 vor Aquileja, da aberdie Belagerung der wohl vorbereiteten Stadt seine Truppen unmuthigmachte, erschlugen ihn dieselben und erkannten die in Rom bestehendeRegierung an. Hier jedoch fielen die beiden regierenden Senatorendurch einen Aufstand der Prätorianer, und Gordianus, der sich mit derTochter ihres Befehlshabers Mifitheus vermählte, behauptete sich unterdessen Schutz und Leitung bis zum Jahre 244. Die Verwirrungen imReiche hatten Ardschirs Nachfolger Sapor zu Einfällen in Mesopotamienund Syrien ermuthigt und während des Feldzuges, den Gordianus ge-gen ihn unternahm, starb Mifitheus, worauf der in dem Befehl überdie Prätorianer und der Vormundschaft über Gordianus an seineStelle getretene Philippus, der Araber genannt, den Gordian ermordenließ und die erledigte Herrschaft in Besitz nahm. Alle diese Vorgängesind eben so Zeichen des Verschwindens der Kriegszucht, als sie dieselbeauch vollends vernichten halfen. Der römische Staat, dessen tausend-jähriges Bestehen Philippus im Jahre 248 feierte, hatte keine staatlicheEinheit und keine römische Bevölkerung mehr. Philippus verlor imJahre 249 Herrschaft und Leben in einer Schlacht bei Verona durchDecius Trajanus, den er zu Dämpfung eines Soldatenaufstandcs nachMösien abgeschickt hatte, der aber dort von den Empörern zum Herr-scher ausgerufen worden war.
21. Unter Decius beginnt ein neuer Andrang germanischer Völker,der nicht mehr auf die Dauer zu hemmen ist. Germanische Völkerreichten im Nordosten Germaniens weit in die sarmatischen Ebenen ander Weichsel hinein. Hier ward das an der unteren Weichsel wohnendeVolk der Gothen oder Gothonen durch die von ihm ausgehenden undim Fortgang ihrer Wanderung durch Zuzüge anderer Völker anschwel-lenden Gefolgschaften Veranlassung eines ähnlichen Völkerbündnisses,wie das der Alemannen im Südwestcn war. Eine Menge von Völ-kern, theils germanische, theils sarmatische, wurden Glieder dieses Bun-des und die einen gingen, wie die Baftarncn, in denselben auf, wäh-rend andere, wie die Vandalen, auch innerhalb desselben selbstständigfortdauerten. Die Richtuüg der Züge war nach Süden und Südoftengegen Dacien, die Niederdonauländer und die politischen Gestade.Schon zu Caracalla's Zeit, da im Westen sich die Alemannen bemerk-bar zu machen anfangen, erscheinen jene Feinde der Römer in Dacienund die Folge war, daß Dacien ein unsicherer Besitz wurde, daß durchGeldzahlungen einzelne Schaaren abgefunden und aus ihnen die römi-schen Heere ergänzt wurden, was den Strom der Nachrückenden natür-lich befördern mußte. Unter Decius überschritt ein gothisches Heer