Das römische Reich unter den Imperatoren. 41
größere Kraft gegeben. Schon zur Zeit des Caracalla wird hier einneuer Feind unter dem Namen der Alemannen genannt, und man hatsich unter diesem Namen einen Inbegriff von Gefolgschaften zu denken,die, von verschiedenen Stämmen ausgehend, dem Zuge der Eroberungö-lust nach Westen und Südwcften folgten. Zunächst erscheinen die Ge-genden am unteren Main als der Sitz der neuen Gefahr und dasjenigeVolk, welches die Anregung gab und den größten Theil der Mannschaftauösendete, mögen die östlich von den Chatten seßhaften Hermundurensein. Die Ausbildung der Befestigungslinie zwischen Rhein und Donaukann hauptsächlich die Aufmerksamkeit der Germanen nach dieser Seitegelenkt haben, wo der Angriff den Römern um so gefährlicher werdenmußte, als auch diesseits der Grenzlinie germanische Bevölkerung saß,die im Falle siegreichen Vordringens der von ferne herkommendenStammgenossen zur Theilnahme an der Unternehmung bereit war.Diesen Feinden gegenüber befand sich Alexander bei dem Heere zu Mo-guntiacum. Es zeigte sich bald für ihn die Unmöglichkeit, den ungestümenForderungen der Soldaten Widerstand zu leisten und, wie er in Romden Ulpianus nicht vor den durch Strenge empörten Prätorianern hatteretten können, erlag er hier im Jahre 235 mit seiner Mutter einemSoldatenaufstande.
20. Wie jetzt die Legionen sich als Meuterer den Prätorianerngleichstellten, rückte eine Zerstückelung des Reiches immer näher, zumaldie Truppen selbst in immer stärkerem Verhältnisse ans den Barbaren,die man bekämpfte, ergänzt wurden. Die Mörder eines Herrschersübten auch das Recht, ihm einen Nachfolger zu geben und ein durchKörpcrkraft und rohe Tapferkeit im Kriegsdienste emporgestiegener Füh-rer, der von barbarischen Aeltern in Thracien geborene Mariminus,erhielt die Herrschaft als der erste Barbar. Es trat nun ein rascherWechsel der Herrscher ein. In Afrika entstand eine Empörung, dieden dortigen Proconsul Gordianus und seinen gleichnamigen Sohn zuHerrschern erhob. Beide aber verloren das Leben im Kampfe gegenden Statthalter Mauretaniens, der, weil man ihm die Provinz nehmenwollte, die Partei des Mariminus ergriff und gegen Carthago vor-rückend die neuen Herrscher besiegte. Der Senat, der von dem rohen,noch in Germanien verweilenden Mariminus Alles fürchten mußte, hattedie beiden Gordiane anerkannt, beauftragte aber nach deren Sturz zweiMänner aus seiner Mitte, Pupienus Marimus und Cälins Balbinus,mit der Führung der Regierung und der Leitung der Vertheidigunggegen den nur auf sein Heer gestützten Mariminus. In Rom entstandwilde Verwirrung, da das Volk die aus dem Senat hervorgegangenenHerrscher nicht wollte und es ward, um die Prätorianer, die man mitMühe von Mariminus abgezogen hatte, zu gewinnen, ein dritter