Das römische Reich unter den Imperatoren. 23
blieben, drang der zur Unterdrückung des Aufstandes abgeschickte PetilinsCcrcalis leicht in das Gebiet der Lingoncn an der oberen Maas undder Trcvirer an der Mosel vor und, da dem Verfahren der Verbünde-ten Nachdruck und Planmäßigkeit gebrach, ward ganz Gallien noch imJahre 70 wieder unterworfen und die Bataver, deren Bekämpfungschwieriger war, gingen, obgleich mehrmals geschlagen, ohne Verände-rung ihrer bisherigen Stellung aus dem Kriege hervor.
5. Langwieriger als der batavischc Krieg war der Krieg, mittelstdessen eine Empörung der Juden niedergeschlagen wurde. Das ganzeEreigniß ist auch bedeutsamer, weil es in der Reihe der von Gott zurWiederherstellung des Menschengeschlechtes unmittelbar getroffenen An-ordnungen eine Stelle einnimmt, weil cs die Geschichte des auserwähl-ten Volkes der alten Zeit schließt und das von Christus gcweissagte Ge-richt über dasselbe bildet. Die unmittelbare Herrschaft, welche die Römerin Jndäa durch Procnratoren geführt hatten, war unter Claudius miteiner mittelbaren vertauscht worden, indem an die Spitze des Volkesein Mitglied der Familie des Herodes trat. Vielleicht war das beider scharf ausgeprägten Eigenthümlichkeit des Volkes unvermeidlicheWiderstreben gegen die römische Herrschaft so mächtig, daß dieses Aus-knnftsmittel zur bequemeren Beherrschung gesucht werden mußte. Da-durch verlängerte sich das Bestehen des Volkes über die Zeit hinaus, woes seinen Beruf als Volk erfüllt und die Erfüllung eines neuen überdie Schranken seines nationalen Lebens hinausreichenden Berufes vonsich gewiesen hatte. Während es seine Herrlichkeit darin hätte findensollen, den Völkern der Erde Verkünder der in Christus erschienenenWahrheit zu sein, suchte es sie, da es dieser Wahrheit sich verschloß,in Bewahrung seiner nationalen Abgeschlossenheit. Doch auch diese Ver-längerung, welche das staatliche Lebendes jüdischen Volkes erfuhr, dienteder Gründung der christlichen Kirche. Noch bildete der jüdische Staatden Boden für die Wirksamkeit der Apostel, die bei einer früheren Er-schütterung desselben keine Wirksamkeit unter den Juden gehabt hätten.Auch mußten die zahlreichen Niederlassungen der Juden in der Fremde,die, aus dem staatlichen Verbände gelöst, daS Wort Gottes mit größe-rer Bereitwilligkeit als die Brüder in der Heimath anfnahmen, solangean dem Tempel zu Jerusalem ihren religiösen Mittelpunkt behalten, bissie durch die Thätigkeit der Apostel zu christlichen Gemeinden umgewan-delt waren. Der neue Herrscher, den die Juden unter Claudius er-hielten, war Herodes Agrippa, Sohn eines der beiden Söhne des erstenHerodes und der Mariamne, welche auf Befehl des tyrannisch wüthen-den Vaters hingerichtet worden waren. Schon Caligula hatte den Hero-des, der in Rom erzogen und von Tiberius eingekerkert worden war,mit der Tetrarchie des verstorbenen Philippus beschenkt, und als Herodes