Gang und Gliederung der christlichen Geschichte. 9
Zeit der Kreuzzüge nicht an Begebenheiten, welche dem in ihnen zurErscheinung gekommenen Geiste znwiderlanfen. Mehr als je wurde dieChristenheit gerade da, als für ihre äußere Ehre in steter Folge sichHeere rüsteten, in ihrem Innern bedroht durch ein Widerstreben gegendie kirchliche Lehre, welches in offene Empörung überging. Die Ge-fahren, welche im vorigen Zeiträume schon das Kaiserthnm in willkühr-licher Uebung seiner Macht bereitete, wiederholten und steigerten sich,wenü dasselbe die Päpste weltlichen Rücksichten und zwar solchen, die nurauf einem einseitig nationalen Standpunkte Geltung haben konnten, dienst-bar machen wollte oder dem Berufe derselben, an der Spitze des christ-lichen Staatenthumes zu stehen, die Anerkennung versagte und in diesemVersagen, von einem unchristlichen Geiste getrieben, bis zu dem Ver-suche der Vernichtung des Papstthums ging. Bei der Allgemeinheit,welche die meisten dieser Erscheinungen haben, läßt sich die Geschichteder Zeit der Krcnzzüge, wenn man die in das Leben der Christenheitgar nicht eingreifenden Staaten des äußersten Nordens und Ostens über-geht, in wenige Abschnitte ordnen. Der erste Abschnitt enthält die Ge-schichte der Krcnzzüge, der durch sie begründeten christlichen Herrschaft,des oströmischen Reiches und der von Seiten des Christenthums be-kämpften mohammedanischen Welt während des zwölften Jahrhunderts,woran die Darstellung der den Kreuzzügen entsprechenden Bildung desAbendlandes sich schließt. Den zweiten Abschnitt bildet die Geschichtedes römisch-deutschen Reiches, zu welcher bei der Weite des dem Kaiser-thume gegebenen Wirkungskreises alle durch ihre Folgen sortwirkcndcnund zu Erklärung späterer Zustände dienenden Weltbcgebenhciten ge-hören. Für einen dritten Abschnitt bleiben sodann die Länder Frank-reich, England und Spanien, von denen im Hinblick ans allgemeineZwecke Frankreich die Aufmerksamkeit am meisten in Anspruch nimmtund mit den beiden andern in solcher Beziehung steht, daß die Anfüh-rung der wichtigsten Begebenheiten derselben sich ungesucht in seine Ge-schichte einflicht. Die Kreuzzüge des dreizehnten Jahrhunderts und diedavon nicht zu trennende Geschichte des oströmischen Reiches so wie derin Asien neu cingetretenen Veränderungen und ihrer zum Thcil nachEuropa herüberrcichenden Wirkungen finden ihre Erwähnung in derGeschichte des römisch-deutschen und des französischen Reiches, wasden Vorthcil gewährt, daß sie in steter Beziehung ans die abendländi-schen Begebenheiten betrachtet werden können.
5. Es folgt den Kreuzzügcn eine Zeit, wo die Welt, wenn manauf jenes in den Kreuzzügcn ausgesprochene ideale Streben zurückblickt,wie verwandelt erscheint. Es ist, als ob die Menschen durch den Wi-derstand, den der Kampf für die Verwirklichung eines erhabenen Ge-dankens gefunden, mit mächtigein Rückschläge auf dasjenige Gebiet zu-