8 Gang und Gliederung der christlichen Geschichte.
vorübergehender Vereinzelung zu Deutschland in ein näheres Verhältnißtritt, zerfällt für jenen Zeitraum die Geschichte der von Karls desGroßen Sccpter beherrschten Länder in die Geschichte des ungetheiltcnReiches, die Geschichte Deutschlands oder des ostfränkischen Reiches, derdie Geschichte Italiens sich einfügt, und die Geschichte Frankreichs oderdes weftfränkischen Reiches.
4. Fast zwei Jahrhunderte lang dauern die Züge zur Eroberungdes heiligen Landes. Ein christliches Reich wird gleich im Anfänge derBewegung dort gegründet. Doch die nachfolgenden Unternehmungen,welche das Begonnene gegen die Uebcrmacht der rings umher wohnen-den und auch ihrerseits von religiösem Eifer gegen die Christen getrie-benen Feinde schützen und um des Schutzes willen die Eroberung er-weitern sollen, haben keinen erheblichen Erfolg, da einheitliche Leitungfehlt und nicht immer der Geist, dem der Gedanke jener Züge entsprun-gen ist und den die Kirche stets von Neuem zu wecken sucht, über derAusführung waltet. Nicht lange, nachdem die Züge aufgehört, verlierendie Christen den letzten Nest ihres dortigen fortwährend geschmälertenGebietes an die Ungläubigen. Die für das Kreuz unternommenenZüge, Kreuzzüge genannt, haben ihren Zweck nicht erreicht. Aber wiesie eine naturgemäße Aeußerung des in der Zeit herrschenden Geisteswaren, sind sie auch dessen entscheidendste und stärkste Aeußerung, so daßjener Zeitraum, durch welchen sie sich hinziehen, nach ihnen als den dasWesen desselben am deutlichsten aussprechendcn Begebenheiten benanntwird. Auch haben sic selbst eine Menge von Erscheinungen hervorge-rufen, so daß nicht bloß der Kampf der beiden Religionen es ist,der die Zeit erfüllt, sondern noch viel mehr die von dem Kampfe fürdie Christenheit ausgcgangene Rückwirkung der Bildung der Zeit eineigcnthümliches Gepräge verleiht. Den Krenzzügen verwandte Erschei-nungen sind die beharrlichen Bestrebungen, mit welchen in großer Auf-fassung ihres Berufes und der Wcltverhältnisse die Päpste den Gedankeneines einheitlichen christlichen Staatenthums zu verwirklichen suchen, derEifer mit dem das Mönchthum, während in der Ferne mit dem Schwertefür das Kreuz gekämpft wird, durch Beispiel und Lehre zu Hause fürdie Kirche kämpft und erobert, der Ticfsinn, mit welchem die kirchlicheWissenschaft die christliche Lehre ergreift, um die Welt zu lehren, daßdas Denken seine schönsten Siege in der Durchdringung und Aneignungder gcvffenbarten Wahrheiten feiert. Zu den unmittelbaren Ergebnissender Krcuzzüge gehören die bestimmtere Abschließuug des' ritterlichenStandes, die Feststellung einer ihm eigcnthümlichen Sitte, das Aufblüheneiner seinem Geiste entsprechenden Dichtung, die Verschmelzung desRitterthums und des Mönchthums in den geistlichen Ritterorden, dieAusbildung ausgedehnten Volkervcrkehrs. Es fehlt aber gerade in der