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Gang und Gliederung der christlichen Geschichte.
rückgeworfen worden wären, wo Erwerbung und Vergrößerung desBesitzes allein eine Geltung verleiht. Die Reihe der Ereignisse, vonwelchen das Leben der Völker bewegt wird, zeigt als treibende Kraftdas Verlangen nach Befestigung auf gewonnenen Standpunkten, nachAusdehnung des Herrscherrechtes, nach Aufhebung von Verpflichtungen,nach Vermehrung der zum Genüsse führenden Mittel. Gewaltthat undList treten thätiger als je auf die Bühne der Geschichte. Das Ritter-thum, das die Nothwcndigkeit einer Regelung der Kraft und einerWeihe des Waffenhandwerks bis in die äußeren Formen des Lebens an-erkannt hat, fällt einer Entartung anheim, indem es sich dem Haschennach Vortheil dienstbar macht und da, wo es sich zu erhalten sucht, inder verzerrten Gestalt eines leeren Formendienftes fortlebt. Selbst dieArt, wie in der kampfcrfüllten Welt jetzt gekämpft wird, spiegelt denSinn, der auf Sicherung unmittelbarer Wirkung gerichtet ist. DieAusdehnung, welche das Söldnerwesen, von neu erfundenen Kriegs-mitteln begünstigt, allenthalben erhält, hilft zur Vernichtung des Nitter-thums. So sprengen und lösen sich alle Kreise, welche durch ein vonder Mitte aus waltendes Ansehu zusammeugehaltcn waren. DasjenigeReich, das vorzugsweise das Reich genannt wird, zerfällt unter fort-währender Schwächung des kaiserlichen Ansehns in eine Menge vonStaaten, deren Beherrscher sich immer mehr der Unabhängigkeit nähern.In Italien erlischt sogar bis auf den letzten Schatten jede Reichsge-walt und die Versuche, welche einzelne Kaiser zu Erneuerung des kaiser-lichen Ansehns daselbst machen, dienen nur dazu, die Thatsache vondessen Vernichtung zu bezeugen. Wie für Italien, so verliert für alleNebenlande das Reich die Kraft des Festhaltens, und es sieht Gebiete,die ihm gehören, in die Hände fremder Herrscher fallen, ohne einenVersuch zur Wahrung seiner Rechte zu machen. Ist so der einst zuBegründung eines christlichen Staatenthums gemachte Versuch mißlungen,so steht die Christenheit jetzt mehr als je wehrlos ihren Feinden gegen-über. In dem steten Wechsel, welcher im Gebiete der von Mohammedgestifteten Religion herrscht, ist ein neues Volk, das jüngst aus demNomadenleben herausgetreten, die Türken, in den Besitz Kleinasiens ge-kommen. Das Glück seiner Waffen führt es nach Europa und das ost-römische Reich zeigt sich in seinem Haß gegen das Abendland beharr-lich, für den gemeinsamen Vorthcil der Christenheit gleichgültig, zu seinereignen Verteidigung unfähig. Da ergeht vergeblich der Ruf der Päpste,der einst zum Kampfe in Syrien gemahnt, an die Fürsten Europa's, siezur Vertheidigung der Christenheit anzuregen. Mit Ausnahme der un-mittelbar von dem neuen Feind bedrohten Reiche und einiger freiwilligaus der Ferne herbeigezogenen Schaaren bleibt das christliche Europaruhig, während es im Südoften Länder verliert, ehe es den Südwesten ganz