Gang und Gliederung der christlichen Geschichte. 5
der Fremde ausführt, bald wieder aus den Augen verliert, wird dasGebiet, über welches die fränkische Herrschaft sich verbreitet, ein neuerWohnplatz der in dasselbe durch fränkische Vermittlung geleiteten Cultur,und seine Bewohner erheben sich, indem sie unter der fränkischen Herr-schaft von der erziehenden Hand der Kirche erfaßt werden, bald zur Teil-nahme an jeder die Geschicke der Menschheit bedingenden Thätigkeit. Da-durch, daß die fränkische Herrschaft zugleich der Ausbreitung des Christen-thums dient, ist sie es, deren Ergebnisse den Hauptertrag aus dem Lebender ersten auf römischem Boden begründeten germanischen Staaten aus-machen. Ein geeigneter Abschnitt ist also da, wo die fränkische Geschichteihren Höhepunkt erreicht und dadurch als eine bloß fränkische Geschichteaufhört. Es folgt daher in der christlichen Geschichte ans die Geschichtedes Jmperatorenreicheö die Geschichte der von dessen Untergang bis zuKarl dem Großen, dem größten der fränkischen Herrscher und dem Be-gründer einer neuen Ordnung, verflossenen Zeit. In dieser Zeit bildendrei neben einander hinlaufende Reihen die Geschichte des oströmischenReiches, in welche sich die Geschichte der Ostgothen und die Geschichteder Longobarden verflechten, die Geschichte der Araber, in welche sichdie Geschichte des westgothischen Reiches einschaltet, und die Geschichtedes fränkischen Reiches, welche eine Geschichte der Deutschen überhauptzu werden anfängt. Die Trennung, welche der Nebersichtlichkeit wegenBedürfnis' ist, würde sich für eine geübtere Betrachtung wieder aus-hebcn lassen, wenn ein Faden gefunden wäre, an welchen die in denverschiedenen Ländern vorgcgangencn Ereignisse sich reihen ließen. Einensolchen Faden könnte die Geschichte der Kirche bilden, welche für diechristliche Zeit die Geschichte der Menschheit ist, indem nach der Bezie-hung auf ihre Zwecke Werth und Nnwcrth der Erscheinungen zu messensind. Doch da eine in geschichtliches Studium einleitende Darstellungweniger die innerliche Wirksamkeit der Kirche zu schildern, als die ver-schiedenen nach Außen hervortretenden Richtungen dieser Thätigkeit unddie ihr dienenden und entgcgcnwirkenden Umstände zu bezeichnen hat,auch das Geschäft, jedes Einzelne auf die höchsten leitenden Gedan-ken ausdrücklich zurückzuführen, nicht übernehmen kann, so muß das,was von der kirchlichen Thätigkeit zu berichten ist, sich unter die nebeneinander hinlaufendcn Darstellungen der einem Zeitraum ungehörigenReihen von Begebenheiten vertheilcn, damit man ihren Bemühungenüberall begegne und sie überall als die erste der auf Erden an denGeschicken der Menschen arbeitenden Mächte erkenne.
3. Karl der Große ist ein Held der Christenheit. Sein Waltenzeugt von der Erkenntniß, daß christliche Gesinnung die Grundlage desStaates sein muß und der Herrscherberuf nur in Uebereinstimmung mitder Kirche zu erfüllen ist. Erobernd vergrößert er mit dem frän-