Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4- Gang und Gliederung der christlichen Geschichte-

Gebiet des Westreichcs macht, in einzelnen Thcilen desselben eine zeit-weilige Geltung zu verschaffen. Während cS fortwährend mit denNeupersern kämpft, gewinnt es von den Ländern des Westens Afrikaund Italien wieder, so daß ihm die Hoffnung wächst, sich einstens zudem alten römischen Reiche, dessen Herrschaft nur in einzelnen Theilengestört sei, wieder zu erweitern. Doch nicht lange, nachdem es inAfrika dem Reiche der Vandalen, das dort die Nömerherrschaft ge-brochen, und in Italien dem Reiche der Ostgothcn, das sich dort an dieStelle der ersten deutschen Herrschaft gesetzt, ein Ende gemacht hat,sieht es sich den Besitz Italiens durch das neu eindringende deutscheVolk der Longobarden zum großen Theile entrissen und fährt nach derenFestsetzung fort, auch von dem ursprünglich gegen sie Behaupteten mehrund mehr einzubüßen. Mehr noch als dieses Ereigniß tragen zweigroße im Osten und im Westen vergehende Veränderungen, durch welchehier wie dort eine ganz neue Ordnung der Dinge begründet wird, dazubei, die Aussicht auf Herstellung des alten Nömcrrciches zu vereiteln.Im Osten erhebt sich aus Arabien das Volk der Wüste, rasch durchMohammed, den Stifter einer neuen Religion, geeinigt, in eifrigemKampfe für die Verbreitung dieser neuen Religion, die mit EroberungHand in Hand geht. Das oströmische Reich wird durch die Araberseines alten Feindes, des neupersischen Reiches, das unter ihren Waffenstürzt, entledigt, kann aber bald seine Länder in Asien und Afrika nichtgegen sie schützen und erwehrt sich nur mit Mühe der auf seine Haupt-stadt gerichteten Angriffe, während das von Feuereifer getriebene Volküber Afrika den Südwesten Enropa's erreicht und den ältesten der vonGermanen auf römischem Boden gestifteten Staaten, den westgothischenin Spanien, zertrümmert, ja über die Pyrenäen hinüber greift, um Er-schütterung deS in Gallien bestehenden fränkischen Reiches zu versuchen.Im Westen entwickelt das fränkische Reich vor und nach dem glücklichenWiderstande, den es dem arabischen Angriffe leistet, eine Thätigkeit, durchwelche es zweierlei Germanen, den größten Theil der auf römischemBoden ansässig gewordenen und sämmtliche in der ursprünglichen Hei-math lebende, zu einem großen Reiche vereinigt. Dadurch gehen dieunbestimmten staatlichen Verhältnisse des Westens um einen großen Schritteiner festen Ordnung entgegen und die Möglichkeit, daß eine römischeHerrschaft im Westen sich hcrstelle, verschwindet. Die beiden großenBewegungen des Ostens und des Westens, von denen die erstere instürmischer Eile, die letztere allmälig erfolgt, erweitern den geschichtlichenSchauplatz, die eine, indem sie die Heimath der Eroberer, die andere,indem sie die Heimath der Unterworfenen in dessen Bereich einschließt.Doch diese Erweiterungen sind von ungleicher Dauer. Denn währenddie Geschichte das Land Arabien, dessen Bevölkerung ihre Thaten in