Gang und Gliederung der christlichen Geschichte. g
dieselbe längst erschüttert, in einzelnen Gegenden aufgehoben ist, nachund nach germanische Reiche, die noch lange Zeit brauchen, ehe in ihnendie Gegensätze der römischen und der germanischen Bevölkerung sich aus-gleichen, an deren Gründer aber doch die Kirche sofort ihre erziehendeHand zu legen beginnt. Während dieser Vorgänge hat das lateinisch-römische Reich ein lautloses Ende genommen und seinen germanischenErben die Mittel zur Einrichtung ihres staatlichen Haushaltes, der Kirchedie Mittel zur leichteren Behandlung ihrer neuen, der Bildung sehrbedürftigen Söhne hinterlafsen. Nicht gleiche Verwandlung, wie derWesten, erfährt der Osten, da dort ein im Gegensätze zu dem weströ-mischen griechisch-römisches, im Gegensätze zu dem altrömischen christlich-römisches Reich neben der christlich-germanischen Weltordnung desWestens in die folgenden Zeiten hinein sein Leben verlängert.
2. Es war ein vorübergehender Zustand, der sich in den Länderndes weströmischen Reiches durch Niederlassung der Germanen begründethatte. Die Unruhe, welche sie in das römische Reich hineingetricben,dauerte noch nach der Niederlassung fort, da das Bemühen um Siche-rung der neuen Gebiete auch zu den Versuchen führte, Grenzen vorzu-schieben und Nachbarn einzuschränken. Auch war die Bewegung in dernordischen Welt, die Völkerwanderung genannt, mit der Gründung dergermanischen Staaten auf römischem Boden noch keineswegs geschlossen.In den von spärlicher Kunde erhellten Heimathländern der Erobererdauerte ein Hin- und Herziehen von Stämmen fort, das nicht alleindort den Besitzstand änderte und aus Verbindung wandernder Kriegs-schaaren neue Völker entstehen ließ, sondern anch dem Süden Europa'sneue Gäste zusandte. Solch ein fortdauerndes Wandern zeigt sich nichtbloß bei den Germanen, sondern auch Slavcn ergießen sich gegen Süden,und Tartaren, der mongolischen Rare angehörig, dringen aus denSteppen Turans an dem Nordrande des Pontuö gegen Westen vor,ja die finnischen Stämme sind von der Bewegung ergriffen und einervon ihnen drängt sich durch das Getümmel der Völker bis in die Do-nauländcr. Unter den germanischen Wanderungen finden sich solche,die Italien erreichen und dort zu Gründung neuer Staaten Anlaß gebe».Die slavischen und tartarischen Wanderungen haben das oströmische Reichzum Ziele. Dieses wird aber ungeachtet der Noth, in die es sich durchsie versetzt sieht, durch sie nicht vernichtet. Es erhält thcils außerhalbseiner Grenzen lästige Nachbarn, theils innerhalb derselben, indem essich mit den Ankömmlingen abfindet, lästige Gäste. Indem sich so Zu-stände des früheren ungetheilten Jmperatorenreiches fortsetzen, behältdas Reich, das jenem älteren auch in seinen durch Ränke des Palastesund Empörung der Truppen bewirkten Herrscherwcchseln gleicht, nochKraft genug, den Ansprüchen, die es auf das von Barbaren besetzte