2 Gang und Gliederung der christlichen Geschichte.
gewesen, sind in weitester Ausdehnung thätig, den geselligen Zustand imInnern gegen Willkühr zu schützen und nach Außen gegen die zerstörendeMacht der Rohheit zu vertheidigen. Tief drückt in beiderlei Rücksichtder römische Geist seine Spuren in die Länder und, wenn das, was dieLenker des Staates wollen, mit jener doppelten Thätigkcit nicht erreichtwird, so sorgen sie unbewußt für die Errichtung des Baues, der aufrömischem Boden an die Stelle des römischen Reiches treten soll. DerVerfall des römischen Reiches, der hierzu nöthig ist, entscheidet sich, sobalddasselbe, die von dem Christenthum gemachten Fortschritte gewahrend,sich gegen dieses, als seinen Feind, zur Wehre setzt. Ein nie erlebtesSchauspiel, den Anbruch einer neuen Zeit in wunderbarer Weise bezeu-gend, eröffnet sich, ein Kampf, in welchem der Duldende siegt. Dasgrößte Reich, das je bestanden, mit geordneten Mitteln der Gewalt wiekeines ausgestattet, bricht zusammen unter den Schlägen, die es auf denin seinem Innern erstandenen wehrlosen Gegner führt. Aus dem Bluteder zur Rettung des Heidenthums Geopferten steigt die christliche Kircheempor, durch die Art ihres Entstehens für alle Zeiten der GeschichteZeugniß davon gebend, was der Menschen Meinung gegen GottesWillen, was Gewalt gegen die Wahrheit vermag. Zu steter Erneue-rung dieses vergeblichen Kampfes im Innern schöpft das römische Reichimmer neuen Antrieb aus der Abnahme seines Waffcnglücks, der Durch-brechung seiner Grenzen, der Schmälerung seines Gebietes, indem csdieses Alles als Folge der von dem Christenthum bewirkten innerenVerwandlung ansieht und darum sein äußeres Bestehen durch Bekäm-pfung des vermeintlichen inneren Feindes sichern zu müssen glaubt. Aufder ganzen laugen Linie seiner östlichen und nördlichen Grenzen, dieNordgrenze des erst unter den Alleinherrschern erworbenen Britannienseingerechnet, tobt gegen das Reich ein Sturm erregter Völker, der vonerneutem römischen Waffenglück immer nur für kurze Zeit beschworenwird. An der Ostgrenze kommt es zwischen den Römern und Neuper-sern nicht zur Entscheidung. Doch lange ehe der dortige Kampf durchUntergang des feindlichen Reiches beendet ist, erobern Germanen ver-schiedener Stämme, über Donau und Rhein vordringend und nach Bri-tannien segelnd, die Provinzen der lateinischen Hälfte des Reiches. DieEroberung ist aber eine allmälige und darum bei aller Zerstörung, diein ihrem Gefolge ist, für die Ergebnisse und Schöpfungen römischenLebens nicht überall eine vernichtende. Während Germanen in dasReich, ehe es unter ihren Händen dahinstirbt, als eine neue Bevölke-rung einströmcn, unterwirft dasselbe sich der ihm von dem Christenthumzugedachten Verwandlung, so daß die fremden Völker durch ihr fortge-setztes Drängen in die Schule gelangen, wo sie durch Religion gesittigtwerden sollen. Es entstehen im Bereiche der Römerherrschaft, nachdem