243
daß er sich um ein armes Mädchen so viel Mühe gab,das war ja fast ein Wunder. Und nur das war Amreiklar: er wollte es seiner Frau nicht gönnen, daß sie alleinals die Gerechte und Liebreiche erschien und er als derBissige und Wilde, vor dem man sich fürchten müsse; undeben das, daß Amrei bevor sie ihn erkannt, ihm gesagthatte: Sie glaube, es sei ihm nicht der Mühe Werth,vor den Menschen gut zu erscheinen —, eben das machte ihmdas Herz ans. Er wußte, so oft er sie allein traf, jetztso viel zu reden, es war als hätte er alle seine Gedankenin einem Spartopfe gehabt, den er nun aufmachte: undda waren gar wunderliche alte abgeschätzte Münzen, großeDenkmünzen die gar nicht im Umlauf sind, die nur beigroßen Gelegenheiten geprägt wurden, auch unvergriffcneund zwar ganz von Silber, ohne Kupferzuthat. Er konnteseine Sache nicht so gut Vorbringen wie damals die Mutterzu Johannes. Seine Sprache war steif in allen Gelenken,aber er wußte doch Alles zu treffen nnd er benahm sichfast als ob er der Annehmer Amrei's gegen die Muttersein müsse und es war nicht uneben als er ihr sagte:„Schau, die Bäuerin ist die gut Stund' selber, aber diegut Stund' ist noch nicht gut Tag, gute Woch und gutJahr. Es ist halt ein Weibsbild, bei denen ist immerAprilwetter und ein Weibsbild ist nur ein halber Mensch,darauf besteh' ich, und da bringt mich keines davon."
„Ihr redet uns schönes Lob nach," sagte Amrei.
„Ja, es ist wahr," sagte der Alte „ich red' ja zu Dir,aber wie gesagt: Die Bäuerin ist seelengut, nur zu viel,und da verdrießt sie's gleich wenn man nicht macht wassie will, weil sie's doch so gut meint, und sie glaubt,Man wisse nicht wie gut sie sei, wenn man ihr nicht folgt.