202
und fiel zurück ins Bett. Amrei und Johannes waren davorniedcrgekniet und als sie sich aufrichteten und sich überdie Alte beugten, athmete sie nicht mehr.
„O Gott, sie ist todt, die Freude hat sic getödtet!"schrie Barfüßele, „und sie hat dich für ihren Sohn ge-halten. Sie ist glücklich gestorben. O! wie ist denn dasAlles in der Welt, o wie ist das Alles!" Sie sank wie-derum am Bette nieder und weinte und schluchzte bitterlich.
Endlich richtete sie Johannes auf und Barfüßele drückteder Todten die Augen zu. Sie stand lange mit Johan-nes still am Bette, dann sagte sie:
„Komm', ich will Leute wecken, daß sie bei der Leichewachen. Gott hat's wunderbar gut gemacht. Sie hatNiemand mehr gehabt, der für sie sorgt, wenn ich fortbin, und Gott hat ihr noch die höchste Freude in derletzten Minute gegeben. Wie lang, wie lang hat sie aufdiese Freude gewartet!"
»Ja, jetzt kannst aber heute nicht hier bleiben," sagteJohannes „und jetzt folgst mir und gehst gleich heutenoch mit mir."
Barfüßele weckte die Frau des Todtengräbers undschickte sie zur schwarzen Marann', und sie war so wun-derbar gefaßt, daß sie dieser sogleich sagte, man solle dieBlumen, die auf ihrem Fensterbrett stehen, auf das Grabder schwarzen Marann' pflanzen und nicht vergessen, daßman ihr, wie sie immer gewünscht hätte, ihr Gesangbuchund das ihres Sohnes unter den Kopf lege.
Als sie endlich Alles angcordnet hatte, richtete sie sichhoch auf, streckte uud bäumte sich', und sagte: „So! Jetztist alles fertig; aber verzeih mir nur, du guter Mensch,daß du jetzt gleich so mit mir in das Elend hinein sehen